Die Krönung – nun optimal übersetzt

Wieviel vom Leben wollen wir auf dem Altar der Sicherheit opfern? 
“Der Satz stammt von Charles Eisenstein, der uns mit seinem genialen Essay “The Coronation” eine tiefgehende Analyse der “Corona-Krise” schenkt.

Es betrifft uns alle …
Wie gehen wir um mit den “Risiken des Lebens“?
Als Gesellschaft und auch wir selbst. Mit unseren Kindern, unseren Ältesten, mit unseren eigenen Impulsen und Sehnsüchten

Wie ist der Zusammenhang von Lebendigkeit, Potenzialentfaltung und unseren Sicherheits-Bedürfnissen?

Wie so oft: entscheidend ist unsere innere Haltung – und welche Geschichte wir uns über die Welt erzählen! Und inwieweit wir uns letztlich von der Angst und Kontroll-Bedürfnissen leiten lassen oder uns vertrauensvoll und mit offenem Herzen in die Lebendigkeit hineinlehnen.” (Martin Kirchner, Pioneers of Change)

Hier ist nun der übersetzte Artikel von Charles Eisenstein “Die Krönung”.

Die Krönung

April 2020
Übersetzung von Eike Richter, Michelle Warkentin, Stephan Pfannschmidt, Daniel Germer und Nikola Winter. Es gibt eine englische Version dieses Aufsatzes.

Unsere Normalität ist jahrelang überdehnt worden. Wie ein Seil, das fester und immer fester angezogen wird, bis es, zum Zerreißen gespannt, nur darauf wartet, dass der schwarze Schwan[1] kommt und es mit seinem Schnabel durchknipst. Jetzt, wo das Seil entzwei ist, werden wir es einfach wieder zusammenknoten, oder sollen wir seine baumelnden Enden noch weiter aufdröseln und sehen, ob wir mit ihnen nicht etwas neues weben können?

COVID-19 zeigt uns, dass ein unglaublich schneller Wandel möglich ist, wenn die Menschheit in einer gemeinsamen Sache vereint ist. Keines der Probleme unserer Welt ist technisch schwer zu lösen; sie rühren von der Uneinigkeit der Menschen her. Wenn die Menschheit kohärent handelt, sind ihre kreativen Kräfte grenzenlos. Vor wenigen Monaten wäre eine weltweite Unterbrechung der kommerziellen Luftfahrt undenkbar gewesen, ebenso die radikalen Veränderungen in unserem gesellschaftlichen Verhalten, in der Wirtschaft und in der Rolle, die die Regierung in unserem Leben spielt. COVID-19 demonstriert die Macht unseres kollektiven Willens, wenn wir uns darauf einigen können, was wichtig ist. Was könnten wir mit einer solchen Kohärenz noch alles erreichen? Was möchten wir erreichen, und welche Welt wollen wir erschaffen? Das ist immer die erste Frage, die auftaucht, nachdem man sich der eigenen Macht bewusst geworden ist.

COVID-19 ist wie der Aufenthalt in einer Entzugsklinik, durch den ein suchtkranker Mensch aus seiner Alltagsnormalität gerissen wird. Indem eine Gewohnheit unterbrochen wird, wird sie sichtbar gemacht. Damit wird sie von einem Zwang zu einer Entscheidung. Wenn die Krise abflaut, haben wir vielleicht die Gelegenheit uns zu fragen, ob wir in die alte Normalität zurück wollen, oder ob wir während dieser Unterbrechung unserer Routinen Dinge erlebt haben, die wir in die Zukunft mitnehmen wollen. Wir werden uns vielleicht fragen, nachdem so viele ihre Jobs verloren haben, ob wirklich alle davon das waren, was die Welt am meisten braucht oder ob unsere Arbeitskraft und Kreativität nicht anderswo besser angebracht wäre? Wir werden uns vielleicht fragen, nachdem wir eine Weile ohne sie ausgekommen sein werden, ob wir wirklich so viel Luftverkehr, Disneyland-Urlaube oder Handelsausstellungen brauchen. Welche Bereiche der Wirtschaft möchten wir wiederherstellen, und von welchen wollen wir uns bewusst verabschieden? Und auf einer finstereren Ebene, für welche der Dinge, die uns jetzt gerade weggenommen werden – bürgerliche Freiheiten, Versammlungsfreiheit, die Souveränität über unseren eigenen Körper, persönliche Treffen, Umarmungen, Handschläge und öffentliches Leben – kann es notwendig werden, dass wir mit unserem bewussten politischen oder persönlichen Willen dafür werden einstehen müssen, wenn wir sie zurückhaben wollen?

Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich den Eindruck, dass sich die Menschheit einem Scheideweg nähert. Immer hat die Krise, der Kollaps, die Unterbrechung unmittelbar hinter der nächsten Wegbiegung gelauert, aber sie kam und kam nicht. Stell dir vor, du gehst einen Weg entlang und siehst sie vor dir, du siehst die große Kreuzung. Gleich hinter dem Hügel, hinter der nächsten Kurve, hinter dem Wald. Du erreichst die Hügelkuppe und siehst, dass du dich geirrt hast, es war ein Trugbild, sie ist doch weiter entfernt als du dachtest. Du gehst weiter. Manchmal siehst du sie, manchmal verschwindet sie aus deinem Blickfeld, und es scheint, also zöge sich der Weg ewig hin. Vielleicht gibt es gar keine Kreuzung? Nein, da ist sie wieder! Immer ist sie fast da. Nie ist sie da.

Jetzt biegen wir um die Kurve, und – da ist sie! Wir bleiben verdattert stehen, ungläubig, dass es jetzt passiert, ungläubig, dass wir nach so vielen Jahren, die wir auf den Weg unserer Vorfahren beschränkt waren, endlich eine Wahl haben. Wir stehen wie angewurzelt und staunen über diese nie dagewesene Situation. Hunderte Pfade tun sich vor uns auf, streben in alle Himmelsrichtungen. Manche führen in die gleiche Richtung, in die wir schon unterwegs waren. Manche führen in die Hölle auf Erden. Und manche führen in eine Welt, die heiler und schöner ist, als wir uns in unseren kühnsten Träumen ausmalen konnten.

Ich schreibe diese Worte, weil ich hier mit Dir stehe – verdutzt, ein bisschen ängstlich vielleicht, aber auch mit dem Gefühl einer neuen Möglichkeit – an diesem Punkt, wo sich die Wege scheiden. Lass uns gemeinsam schauen, wohin einige von ihnen führen.

* * *

Folgende Geschichte hat mir eine Freundin letzte Woche erzählt. Sie war in einem Lebensmittelladen und sah eine Frau schluchzend in einem Gang stehen. Alle Abstandsregeln missachtend, ging sie zu der Frau und umarmte sie. „Danke,“ sagte die Frau, „das ist das erste Mal in zehn Tagen, dass mich jemand umarmt hat.“

Ein paar Wochen ohne Umarmungen zu leben mag ein kleiner Preis dafür sein, dass eine Epidemie eingedämmt wird, die Millionen das Leben kosten könnte. Es gibt ein gutes Argument für das Einhalten des Sicherheitsabstands in der nächsten Zeit: um einen plötzlichen Anstieg von COVID-19 Fällen zu verhindern, der das Gesundheitssystem überlastet. Ich würde dieses Argument aber gern in einen größeren Zusammenhang stellen, vor allem, wenn es um einen längeren Zeitraum geht. Bevor wir das Abstandhalten zu einer neuen Norm machen, nach der sich die Gesellschaft orientiert, lasst uns bedenken, was für eine Entscheidung wir hier treffen und warum.

Das Gleiche gilt auch für andere Veränderungen, die rund um die Coronavirus-Epidemie stattfinden. Manche Stimmen weisen darauf hin, wie gelegen diese Maßnahmen einer Agenda der totalitären Kontrolle kommen. Eine verängstigte Öffentlichkeit akzeptiert Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten, die andernfalls schwer zu rechtfertigen wären, etwa das Verfolgen individueller Bewegungsmuster rund um die Uhr, medizinische Zwangsbehandlung, unfreiwillige Quarantäne, Reisebeschränkungen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, Zensur dessen, was die Autoritäten als Desinformation einstufen, Aussetzen der juristischen Möglichkeit zur Freilassung von Personen aus rechtswidriger Haft (habeas corpus) und Militärkontrollen der Zivilbevölkerung. Viele davon standen schon vor COVID-19 im Raum, jetzt wurden sie geradezu unwiderstehlich. Das Gleiche gilt für die Automatisierung im Handel, den Trend zum Fernsehen statt der persönlichen Teilnahme an Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen, die Verlagerung des öffentlichen Lebens in private Räume, die Zunahme von Online-Bildungsangeboten und Online-Handel, und die zunehmende Verschiebung von Arbeit und Freizeitaktivitäten auf Bildschirme. COVID-19 beschleunigt bestehende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends.

Während man all diese Maßnahmen kurzfristig damit rechtfertigen kann, dass sie zur Abflachung der Kurve (der epidemiologischen Wachstumskurve) beitragen, ist allenthalben die Rede von einer „neuen Normalität“, was bedeuten könnte, dass die Veränderungen keineswegs nur vorübergehend gedacht sind. Weil die Bedrohung durch eine ansteckende Krankheit – genau wie die Bedrohung durch den Terror – nie aufhört, können sich Kontrollmaßnahmen leicht zu Dauermaßnahmen auswachsen. Wenn wir also sowieso schon in diese Richtung gehen, muss die jetzige Rechtfertigung der Maßnahmen Teil einer tieferen Strömung sein. Ich werde zwei Triebkräfte dieser Strömung analysieren: den Kontrollreflex und den Krieg gegen den Tod. Vor diesem Hintergrund lässt sich eine initiatorische Gelegenheit erkennen, die sich schon jetzt angesichts der Solidarität, des Mitgefühls und der gegenseitigen Fürsorge abzeichnet, die das Coronavirus in uns geweckt hat.

Der Kontrollreflex

In dem Moment, da ich dies schreibe, sagen die offiziellen Statistiken, dass etwa 25.000 Menschen an COVID-19 gestorben sind. (Nachtrag: Das war am 25. März. Jetzt am 2. April sind es 50.000. Ich werde die Zahl nicht weiter nachkorrigieren. Sie wird sowieso wieder veraltet sein, wenn die meisten Menschen das hier lesen.) Und wenn dann alles vorüber ist, könnte die Zahl der Toten zehnmal oder hundertmal oder, wenn die alarmierendsten Schätzungen richtig liegen, sogar tausendmal höher liegen. Jeder einzelne Mensch hat seine Lieben, Familie und Freunde. Unser Mitgefühl und Gewissen rufen uns, alles in unserer Macht stehende zu tun, um eine unnötige Tragödie zu vermeiden. Für mich ist das sehr persönlich: meine eigene, unendlich geliebte aber gebrechliche Mutter ist besonders gefährdet durch eine Krankheit, die hauptsächlich Alte und Schwache tötet.

Wie werden die endgültigen Zahlen aussehen? Diese Frage ist zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich zu beantworten. Frühe Berichte waren alarmierend; für Wochen war die offizielle Zahl aus Wuhan, die endlos durch die Medien zirkulierte, schockierende 3,4 Prozent. Dies, gepaart mit seiner hoch ansteckenden Natur, deutete auf einige zehn Millionen oder gar bis zu hundert Millionen Tote weltweit hin. In letzter Zeit sind diese Schätzungen stark zurückgegangen, als sich abzeichnete, dass die meisten Fälle mild oder asymptomatisch verlaufen. Da Testungen hauptsächlich an ernstlich Kranken durchgeführt worden sind, ergab sich eine künstlich erhöhte Sterberate. In Südkorea, wo hunderttausende Menschen mit milden Symptomen getestet wurden, beträgt die Mortalität etwa 1 Prozent. In Deutschland, wo ebenfalls viele milde Verläufe getestet wurden, lag die Mortalität bei 0,4 Prozent. Ein aktueller Aufsatz in der Zeitschrift Science behauptet, dass 86 Prozent aller Infektionen nicht dokumentiert seien, was auf eine viel geringere Mortalität hindeuten würde, als die gegenwärtige Sterblichkeitsrate vermuten ließe.

Die Geschichte des Kreuzfahrtschiffs Diamond Princess stützt diese Sicht. Von den 3711 Menschen an Bord wurden etwa 20 Prozent positiv auf das Virus getestet; weniger als die Hälfte von ihnen hatten Symptome, und 8 sind gestorben. Ein Kreuzfahrtschiff ist das perfekte Milieu für Ansteckung, und es gab reichlich Zeit für die Ausbreitung des Virus an Bord, bevor irgendwer etwas dagegen unternommen hatte und doch wurde nur ein Fünftel infiziert. Darüber hinaus war die Altersverteilung (wie sehr oft auf Kreuzfahrtschiffen) stark in Richtung höheren Alters verzerrt: Fast ein Drittel der Passagiere war über 70 und mehr als die Hälfte über 60. Eine Forschergruppe schloss aus der großen Zahl asymptomatischer Fälle, dass die tatsächliche Sterblichkeitsrate in China um die 0,5 Prozent liegen müsse. Das wäre noch immer etwa fünfmal höher als bei der Grippe. Aufgrund dieser Informationen (und da Afrika, Süd- und Südostasien eine deutlich jüngere Demographie aufweist), vermute ich, dass es in den USA etwa 200.000- 300.000 Tote geben wird – vielleicht mehr, wenn das Gesundheitssystem überlastet wird und weniger, wenn sich die Infektionen über einen längeren Zeitraum verteilen – und drei Millionen weltweit. Das sind ernste Zahlen. Seit der Hong-Kong-Grippe 1968/69 hat die Welt so etwas nicht mehr erlebt.

Meine Schätzung könnte leicht um eine ganze Größenordnung daneben liegen. Jeden Tag berichten die Medien die Gesamtzahl der COVID-19-Fälle, aber niemand kennt die tatsächliche Zahl, weil nur ein geringer Anteil der Menschen getestet worden ist. Wenn schon zehn Millionen Menschen das Virus asymptomatisch hätten, würden wir es nicht einmal wissen. Komplizierter wird die Sache dadurch, dass bei den existierenden Tests hohe Raten an falsch positiven Ergebnissen auftreten, vielleicht sogar bis zu 80 Prozent. (Weitere alarmierende Unsicherheiten hinsichtlich der Testgenauigkeit findet man hier.) Lasst es mich wiederholen: Niemand weiß, was wirklich vor sich geht, und da schließe ich mich ein. Rufen wir uns ins Bewusstsein, dass es zwei widersprüchliche Tendenzen menschlicher Krisenreaktion gibt. Die erste ist die Tendenz zur sich selbst verstärkenden Hysterie. Daten, die der Furcht nicht in die Hände spielen, werden ignoriert, und so erschafft die Hysterie die Welt nach ihrem eigenen Abbild. Die zweite Tendenz ist die zur Leugnung, zur irrationalen Ablehnung von Informationen, welche die Normalität und Behaglichkeit verstören könnten. So fragt auch Daniel Schmachtenberger: Woher weißt du, dass das, was du glaubst, wahr ist?

Trotz dieser Unsicherheit wage ich eine Vorhersage: Die Krise wird so ausgehen, dass wir das niemals erfahren werden. Wenn die endgültige Todesrate, welche selbst strittig sein wird, niedriger ausfällt als befürchtet, werden manche sagen, dass die Kontrollmaßnahmen gewirkt haben. Andere werden sagen, dass die Krankheit nicht so gefährlich war, wie man uns weismachen wollte.

Für mich ist das erstaunlichste Rätsel, warum derzeit in China keine neuen Fälle hinzuzukommen scheinen. Die Regierung hatte ihre Ausgangssperren erst deutlich nach dem Zeitpunkt angeordnet, als sich das Virus schon etabliert hatte. Während des chinesischen Neujahrsfestes, als alle Flugzeuge, Busse und Bahnen gerammelt voll waren mit Menschen, die quer durch das Land fahren, hätte es sich doch extrem ausbreiten müssen. Was geht hier vor? Und noch einmal, ich weiß es nicht, genauso wenig wie du.

Ob nun die abschließende Zahl der Toten 50.000, 500.000 oder 5 Millionen sein wird, lasst uns nun auf ein paar andere Zahlen schauen, um sie in einem anderen Lichte zu sehen. Ich will damit NICHT sagen, dass COVID schon nicht so schlimm ist, und dass wir nichts unternehmen sollten. Hab ein wenig Geduld. Letztes Jahr starben laut Welternährungsorganisation 5 Millionen Kinder weltweit an Unterernährung (von den 162 Millionen durch Hunger entwicklungsgehemmten und 51 Millionen durch Hunger dahinsiechenden Kindern). Das sind zweihundertmal mehr Menschen, als bisher an COVID-19 gestorben sind, und doch hat bisher keine Regierung den Notstand erklärt oder uns aufgefordert, unsere Lebensgewohnheiten radikal zu verändern, um diese Kinder zu retten. Auch sehen wir kein vergleichbares Ausmaß an Besorgnis und Maßnahmen im Zusammenhang mit Selbstmord – die bloße Spitze des Eisbergs der Verzweiflung und Depression – durch den jährlich über eine Million Menschen weltweit sterben und 50.000 in den USA. Oder die jährlich 70.000 Drogentoten in den USA, die Epidemie der Autoimmunkrankheiten, die in den USA 23,5 Millionen (Zahlen der amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute, NIH) bis 50 Millionen (amerikanische Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen, AARDA) Menschen betrifft, oder Adipositas, die über 100 Millionen Menschen betrifft. Oder warum, wo wir schon einmal dabei sind, verfallen wir nicht alle in helle Aufregung, wenn es um die Vermeidung der atomaren Vernichtung oder des ökologischen Kollaps geht, sondern treffen ganz im Gegenteil Entscheidungen, die genau diese Gefahren nur noch vergrößern?

Und, bitte, der Punkt hier ist nicht, zu sagen, wir haben unser Verhalten nicht geändert, um Kinder vor dem Hungertod zu bewahren, also sollen wir es auch nicht für COVID ändern. Ganz im Gegenteil: Wenn wir unser Verhalten wegen COVID-19 so radikal verändern können, dann können wir es für diese anderen Zustände genauso tun. Wir sollten uns fragen, warum wir in der Lage sind, unseren kollektiven Willen zu bündeln, um dieses Virus einzudämmen, nicht aber für die anderen gravierenden Bedrohungen der Menschheit. Warum war die Gesellschaft, zumindest bis jetzt, so verfangen in ihrer vorgegebenen Marschrichtung?

Die Antwort ist aufschlussreich. Angesichts von Welthunger, Suchtproblematik, Autoimmunkrankheiten, Selbstmord und dem ökologischen Kollaps wissen wir als Gesellschaft einfach nicht, was zu tun ist. Unsere Patentrezepte zur Krisenbewältigung, allesamt Versionen von Kontrollmaßnahmen, sind nicht sehr effektiv darin, mit diesen Zuständen umzugehen. Jetzt kommt eine ansteckende Epidemie daher, und endlich können wir in Aktion treten. Es ist eine Krise, in der Kontrolle funktioniert: Quarantäne, Ausgangssperren, Isolierung, Händewaschen; Personen-Tracking, Informationskontrolle , Kontrolle unseres Körpers. Das macht COVID zu einem geeigneten Gefäß für unsere unterschwelligen Ängste, zu einem Blitzableiter für unser wachsendes Gefühl von Hilflosigkeit angesichts der Veränderungen, die die Welt überrennen. COVID-19 ist eine Bedrohung, von der wir wissen, wie ihr zu begegnen ist. Anders als so viele unserer anderen Ängste, bietet COVID-19 einen Plan.

Die etablierten Institutionen unserer Gesellschaft werden immer hilfloser, den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Wie sehr sie da eine Herausforderung willkommen heißen, welcher sie endlich entgegentreten können. Wie eifrig sie diese als die allergrößte Krise behandeln. Mit welcher Selbstverständlichkeit ihr Informations-Management die alarmierendsten Darstellungen auswählt. Wie leicht sich die Öffentlichkeit an der Panik beteiligt und die Bedrohung begrüßt, der die Autoritäten begegnen können, stellvertretend für die vielen anderen unaussprechlichen Bedrohungen, bei denen sie es nicht können.

Heutzutage lassen sich aber die meisten unserer Herausforderungen nicht mehr durch die Anwendung mechanistischer Machtinstrumente bewältigen.

Unsere Antibiotika wie auch die Chirurgie scheitern an einer wachsenden Gesundheitskrise von Autoimmunität, Sucht und Adipositas. Unsere Gewehre und Bomben, gebaut für den Sieg über Armeen, sind ungeeignet, Hass und Feindschaft in anderen Ländern zu beseitigen oder häusliche Gewalt zu verhindern. Unsere Polizei und unsere Gefängnisse können die Entstehungsbedingungen für Verbrechen nicht heilen. Unsere Pestizide können abgewirtschaftete Böden nicht wiederherstellen. COVID-19 weckt Erinnerungen an die guten alten Zeiten, als die Herausforderungen durch ansteckende Krankheiten mit moderner Medizin und Hygiene gemeistert wurden, als der Nationalsozialismus der Kriegsmaschinerie der Alliierten unterlag und als die Natur selbst, so schien es zumindest, dem Siegeszug moderner Technologien unterlag. Es weckt Erinnerungen an die Zeit, als unsere Waffen noch funktionierten und die Welt sich tatsächlich mit jedem neuen technologischen Fortschritt zu verbessern schien.

Welche Art von Problemen ist überhaupt durch Unterwerfung und Kontrolle zu lösen? Doch nur diejenige, die durch etwas von außen erzeugt wird, durch das Andere. Wenn die Ursache des Problems jedoch etwas uns Wohlvertrautes ist, wie etwa bei  Obdachlosigkeit oder sozialer Ungleichheit, Sucht oder Adipositas, dann gibt es nichts, gegen das man Krieg führen könnte. Wir können versuchen, einen Feind auszumachen, wir könnten zum Beispiel die Milliardäre, Vladimir Putin oder den Teufel beschuldigen, aber dann lassen wir Schlüsselinformation außer Acht, wie etwa die Grundbedingungen, die überhaupt erst erlauben, dass es mehr und mehr Milliardäre (und pathogene Viren) gibt.

Wenn es eine Sache gibt, die unsere Zivilisation gut kann, dann ist es, einen Feind zu bekämpfen. Wir lieben es, das zu tun, was wir gut können, was wiederum die Gültigkeit unserer Technologien, Systeme und unserer Weltanschauung bestätigt. Und so erschaffen wir uns selbst unsere Feinde, ordnen Probleme wie Verbrechen, Terrorismus und Krankheit in Kategorien des „Wir-gegen-Die” ein und mobilisieren unsere kollektiven Energien für alle Maßnahmen, die in dieses Schema passen. Deshalb fassen wir COVID-19 als einen Ruf zu den Waffen auf und reorganisieren die Gesellschaft wie für einen Krieg, während wir die Möglichkeit der nuklearen Vernichtung, des ökologischen Kollaps und 5 Millionen verhungernder Kinder als Normalität behandeln.

Das Verschwörungs-Narrativ

Da COVID-19 so viele Dinge auf der totalitären Wunschliste als gerechtfertigt erscheinen lässt, gibt es Menschen, die davon überzeugt sind, dass es sich um ein beabsichtigtes Machtspiel handelt. Es ist weder meine Absicht, diese Theorie zu befördern noch sie zu widerlegen, auch wenn ich einige Anmerkungen auf der Metaebene anbieten werde. Zuerst aber eine kurze Übersicht.

Diese Theorien (es gibt viele Varianten) sprechen vom Event 201 (gesponsert von der Gates-Stiftung, der CIA etc. im letzten Oktober) und einem Weißbuch der Rockefeller Foundation aus dem Jahr 2010, in dem ein Szenario namens „Lock Step“ beschrieben wird, beides Entwürfe einer autoritären Reaktion auf eine hypothetische Pandemie. In den Theorien wird festgestellt, dass die Infrastruktur, die Technologie und der gesetzliche Rahmen in Bezug auf das Kriegsrecht seit vielen Jahren vorbereitet werden. Dafür musste, so sagen sie, ein Weg gefunden werden, um die Öffentlichkeit dazu zu bringen, das zu akzeptieren, und jetzt ist es soweit. Unabhängig davon, ob die aktuellen Einschränkungen dauerhaft sind oder nicht, wird ein Präzedenzfall geschaffen um:

  • die Bewegungen aller Menschen jederzeit zu verfolgen (wegen des Coronavirus)
  • die Versammlungsfreiheit aufzuheben (wegen des Coronavirus)
  • die Zivilbevölkerung militärisch zu überwachen (wegen des Coronavirus)
  • außergerichtlichen, unbefristeten Arrest durchzusetzen (Quarantäne, wegen des Coronavirus)
  • das Bargeld zu verbieten (wegen des Coronavirus)
  • das Internet zu zensieren (um die Desinformation zu bekämpfen, wegen des Coronavirus)
  • Zwangsimpfungen und andere medizinische Behandlungen einzuführen, um die staatliche Herrschaft über unseren Körper durchzusetzen (wegen des Coronavirus)
  • die Einstufung aller Aktivitäten und Reiseziele in ausdrücklich erlaubte und ausdrücklich verbotene vorzunehmen (man darf das Haus aus dem einen Grund verlassen, aus dem anderen aber nicht) unter Beseitigung der nicht-kontrollierten, nicht-juristischen Grauzone. All das zusammengenommen ist der Inbegriff von Totalitarismus. Jetzt ist es aber notwendig, wegen, naja, dem Coronavirus.

Das ist pikanter Stoff für Verschwörungstheorien. Soweit ich weiß, könnte eine dieser Theorien zutreffen; allerdings könnte sich der gleiche Verlauf der Ereignisse aufgrund einer unbewussten systemischen Neigung zu ständig zunehmender Kontrolle entwickeln. Woher kommt diese Ausrichtung? Sie ist in die DNA der Zivilisation mit eingewoben. Seit Jahrtausenden hat die Menschheit (im Gegensatz zu kleinen, traditionellen Kulturen) Fortschritt als eine Sache der zunehmenden Kontrolle über die Welt verstanden: die Domestizierung der Wildnis, die Eroberung der Barbaren, das Beherrschen der Naturkräfte, die Gliederung der Gesellschaft nach Gesetz und Vernunft.

Im Aufwind der wissenschaftlichen Revolution setzte das Programm der Kontrolle mit dem „Fortschritt“ zu einem neuen Höhenflug an: Die Realität wurde in objektive Kategorien und Mengen sortiert und die Materie durch Technologie beherrscht. Zudem versprachen die Sozialwissenschaften die gleichen Mittel und Methoden anzuwenden, um dem Ehrgeiz (der auf Platon und Konfuzius zurückgeht) eine perfekte Gesellschaft aufzubauen, gerecht zu werden.

Diejenigen, die die Zivilisation verwalten, werden daher jede Gelegenheit begrüßen, um ihre Kontrolle zu verstärken, denn schließlich dient sie einer hochfliegenden Vision von der  Bestimmung der Menschheit: eine perfekt geordnete Welt, in der Krankheit, Kriminalität, Armut und vielleicht sogar das Leid an sich einfach „wegtechnisiert“ werden können. Es sind keine niederträchtigen Beweggründe nötig. Natürlich möchten sie alle Menschen im Auge behalten – zumal dadurch ja das Allgemeinwohl gewährleistet werden soll. Für sie beweist COVID-19, wie notwendig das ist. „Können wir uns demokratische Freiheiten angesichts des Coronavirus erlauben?“, fragen sie. „Müssen wir diese jetzt, aus der Notwendigkeit heraus, für unsere eigene Sicherheit opfern?“ Das ist ein bekanntes Lied, denn es hat in der Vergangenheit andere Krisen, wie den 11. September, begleitet.

Um eine gebräuchliche Metapher umzudichten stelle man sich einen Mann mit einem Hammer vor, der herumgeht und nach einem Grund sucht, ihn zu benutzen. Plötzlich sieht er einen hervorstehenden Nagel. Er hat schon lange nach einem Nagel gesucht, hat stattdessen auf Schrauben und Bolzen eingehauen, ohne viel zu erreichen. Er folgt einem  Weltbild, in dem Hämmer die besten Werkzeuge sind und die Welt eine bessere wird, wenn man Nägel damit einschlägt. Und hier ist ein Nagel! Wir könnten vermuten, dass er, aufgrund seines Eifers, den Nagel dort selbst platziert hat, aber es spielt eigentlich keine Rolle. Vielleicht ist es auch gar kein Nagel, der da herausragt, ist einem solchen aber ähnlich genug, um auf ihn einzuhämmern. Wenn das Werkzeug zur Verfügung steht, wird sich eine Gelegenheit ergeben, um es zu benutzen.

Und, so möchte ich hier für diejenigen anfügen, die dazu neigen, den Machthabern zu misstrauen, dass es  sich diesmal vielleicht tatsächlich um einen Nagel handelt. In diesem Fall ist der Hammer das richtige Werkzeug – und das Prinzip Hammer wird gestärkt aus der Krise hervorgehen, bereit auf die Schraube, den Knopf, die Klammer und den Riss einzudreschen.

Wie dem auch sei, bei dem Problem mit dem wir es hier zu tun haben, geht es um viel mehr als darum einer üblen Seilschaft von Illuminaten das Handwerk zu legen. Selbst wenn sie wirklich existieren, würde der gleiche Trend auch ohne sie fortbestehen, weil unsere Zivilisation darauf ausgerichtet ist, oder es würden neue Illuminaten auftauchen, um die Funktionen der alten zu übernehmen.

Richtig oder falsch, die Vorstellung, dass die Epidemie eine monströse Verschwörung ist, die von Verbrechern an der Öffentlichkeit verübt wurde, ist nicht so weit von der „Finde-den- Erreger“- Mentalität entfernt. Es ist eine Kreuzzugs-Mentalität, eine Kriegsmentalität. Sie findet die Ursache einer soziopolitischen Krankheit in einem Pathogen, gegen das wir dann kämpfen können, in einem Täter, der abgespalten von uns ist. Dabei besteht die Gefahr, dass die Bedingungen ignoriert werden, welche die Gesellschaft zu einem fruchtbaren Boden für die Verschwörung machen. Ob dieser Boden nun absichtlich oder durch den Wind gesät wurde, ist für mich zweitrangig.

Was ich als nächstes sagen werde, ist relevant, egal ob  SARS-CoV2, nun eine gentechnisch hergestellte Biowaffe ist, in Zusammenhang mit der Einführung von 5G steht, dazu benutzt wird, um „Disclosure“[2] zu verhindern, ein Trojanisches Pferd für die totalitäre Weltregierung ist, tödlicher ist, als uns gesagt wird, weniger tödlich, als uns gesagt wird, in einem Biolabor in Wuhan erzeugt wurde, in Fort Detrick entstanden ist oder genau das ist, was uns von der CDC [amerikanische Gesundheitsbehörde] und der WHO gesagt wurde. Es gilt auch dann, wenn alle völlig falsch liegen in Bezug auf die Rolle des SARS-CoV-2-Virus in der aktuellen Epidemie. Ich habe meine Meinung, aber wenn ich im Verlauf dieser Notsituation eines gelernt habe, dann ist es, dass ich nicht wirklich weiß, was passiert. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das überhaupt jemand kann, inmitten dieses brodelnden Gemischs aus Nachrichten, Fake-News, Gerüchten, zurückgehaltenen Informationen, Verschwörungstheorien, Propaganda und politisierten Narrativen, von denen das Internet voll ist. Ich wünschte mir, dass viel mehr Menschen dieses Nichtwissen begrüßten könnten. Ich sage das sowohl denen, die das vorherrschende Narrativ annehmen, als auch denen, die an einer abweichenden Meinung festhalten. Welche Informationen blenden wir möglicherweise aus, um unsere Sichtweise aufrechtzuerhalten? Lasst uns in unseren Überzeugungen bescheiden sein: Es geht um Leben und Tod.

Der Krieg gegen den Tod

Mein 7-jähriger Sohn hat seit zwei Wochen weder mit einem anderen Kind gespielt noch eines gesehen. Millionen anderen geht es genauso. Die meisten von uns stimmen wohl zu, dass ein Monat ohne soziale Interaktion für all diese Kinder ein vertretbares Opfer ist, um Millionen Menschenleben zu retten. Aber wenn es um 100.000 Leben ginge? Und was, wenn das Opfer nicht für einen Monat, sondern für ein Jahr gilt? Für fünf Jahre? Je nach den zugrundeliegenden Wertvorstellungen gibt es hierzu sicherlich eine Menge unterschiedlicher Meinungen.

Versuchen wir, die vorhergegangenen Fragen einmal durch persönlichere zu ersetzen, um über das unmenschliche zweckrationale Denken hinwegzukommen, durch das Menschen zu Statistiken gemacht und manche von ihnen für etwas anderes geopfert werden. Die für mich entscheidende Frage ist: Würde ich alle Kinder des Landes bitten, für eine ganze Saison auf das Spielen mit anderen zu verzichten um das Sterberisiko meiner Mutter zu verringern oder wenn wir schon dabei sind, mein eigenes Risiko? Oder ich könnte fragen: Würde ich ein Verbot von Umarmungen und Händeschütteln verhängen, wenn dadurch mein eigenes Leben gerettet würde? Dies soll nicht das Leben meiner Mutter oder mein eigenes entwerten. Beide sind wertvoll. Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem sie noch mit uns ist. Aber diese Fragen fördern tiefere Aspekte zu Tage. Was ist die richtige Art zu leben? Was ist die richtige Art zu sterben?

Die Antwort auf solche Fragen, gestellt im eigenen Interesse oder in dem der Gesellschaft, hängt davon ab, wie wir es mit dem Tod halten, und wie hoch wir Spiel, Berührung und Gemeinschaft schätzen, genau wie die bürgerliche und persönliche Freiheit. Es gibt keine einfache Formel um diese Werte abzuwägen.

In meinem bisherigen Leben habe ich beobachtet, dass die Gesellschaft mehr und mehr Wert auf Sicherheit, Gefahrenabwehr und Risikoreduktion legt. Dies hat insbesondere die Kindheit beeinflusst: Als Kinder war es für uns normal, draußen im Umkreis von einer Meile um unser Haus ohne Aufsicht zu spielen, ein Verhalten, das heute einen Besuch der Kinderschutzbeauftragten bei den Eltern zur Folge haben kann[3]. Dies manifestiert sich auch im zunehmenden Einsatz von Latexhandschuhen bei immer mehr Berufen, allgegenwärtigen Händedesinfektionsmitteln, abgeschlossenen, bewachten und videoüberwachten Schulgebäuden, intensivierten Flughafen- und Grenzkontrollen, der erhöhten Aufmerksamkeit auf gesetzliche Haftung und Haftpflichtversicherungen, Metalldetektoren und Durchsuchungen vor dem Betreten vieler Sporteinrichtungen und öffentlicher Gebäude und so weiter. Kurz, es nimmt die Form eines Sicherheitsstaates an.

Das Mantra „Sicherheit geht vor“ kommt aus einem Wertesystem, das dem Überleben die oberste Priorität einräumt und andere Werte wie Freude, Abenteuer, Spiel und die Herausforderung und Erweiterung von Grenzen hintanstellt. Andere Kulturen hatten unterschiedliche Prioritäten. Zum Beispiel gehen viele traditionelle oder indigene Gesellschaften viel weniger protektiv mit ihren Kindern um, wie von Jean Liedloff in ihrem Klassiker „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück.“ (engl.: „The Continuum Concept“) dokumentiert. Diese Kulturen erlauben den Kindern Risiken und muten ihnen Verantwortung zu, die für die meisten modernen Menschen verrückt erscheinen würden, in der Überzeugung, dass dies notwendig ist für die Kinder, um Selbständigkeit und einen gesunden Menschenverstand zu entwickeln. Ich denke, dass die meisten modernen Menschen, insbesondere die jüngeren, sich etwas von dieser ureigenen Bereitschaft bewahrt haben, Sicherheit zu opfern für ein Leben, das dafür in vollen Zügen gelebt wird. Die Kultur rundum jedoch predigt ununterbrochen ein Leben in Angst und hat Systeme entwickelt, die diese Angst verkörpern. Bei ihnen gilt Sicherheit als höchste Priorität. Auf diese Weise haben wir ein Medizinsystem, in dem die meisten Entscheidungen auf Risikoabwägungen basieren. Der schlimmste anzunehmende Ausgang, der das totale Versagen des Arztes markiert, ist der Tod. Und dennoch wissen wir, dass uns der Tod in jedem Fall erwartet. Ein gerettetes Leben bedeutet nur einen vertagten Tod.

Die ultimative Erfüllung des zivilisatorischen Kontrollprogramms wäre, über den Tod selbst zu triumphieren. Weil sie das nicht schafft, hat sich die moderne Gesellschaft diesen Triumph vorgetäuscht und leugnet den Tod, den sie nicht bezwingen kann: Das reicht vom Verbergen der Leichname vor dem Blick der Öffentlichkeit über den Fetisch der Jugendhaftigkeit bis zur Abschiebung von alten Menschen in Pflegeheime. Sogar ihre Besessenheit mit Geld und Besitz – beides Erweiterungen des Selbst, wie das Wort “mein” indiziert – drückt diese Wahnvorstellung aus, dass das unbeständige und vergängliche Selbst durch seine Anhängsel permanent gemacht werden kann. All das ist unausweichlich, wenn wir dieses Narrativ des Selbst betrachten, das die Moderne anbietet: das separate Individuum in einer Welt des Anderen. Umgeben von genetischen, sozialen und ökonomischen Konkurrenten, muss sich das Selbst schützen und andere unterwerfen, wenn es Erfolg haben will. Es muss alles tun, um den Tod aufzuhalten, der (in der Geschichte von der Getrenntheit[4]) die totale Vernichtung ist. Die biologische Wissenschaft hat sogar gelehrt, dass es unsere innerste Natur ist, unsere Überlebens- und Fortpflanzungschancen zu maximieren.

Ich fragte eine Freundin, eine Ärztin, die eine Zeit mit den Q’ero in Peru verbrachte, ob die Q’ero (wenn sie könnten) jemanden intubieren würden, um sein Leben zu verlängern. „Natürlich nicht”, sagte sie. „Sie würden den Schamanen rufen, um der Person zu helfen gut zu sterben.” Gut sterben (was nicht unbedingt bedeutet schmerzfrei zu sterben) existiert nicht wirklich im heutigen medizinischen Vokabular. Es werden keine Aufzeichnungen im Krankenhaus darüber gemacht, ob Menschen gut starben. Das würde nicht als ein positiver Ausgang gewertet werden. In der Welt des getrennten Selbst ist der Tod die ultimative Katastrophe.

Aber ist das so? Hier  die Perspektive von Dr. Lissa Rankin: „Nicht alle von uns wären lieber auf einer Intensivstation, getrennt von unseren Liebsten, mit einer Maschine, die für uns atmet, in Gefahr alleine zu sterben – auch wenn sich dadurch unsere Überlebenschancen erhöhen würden. Manche von uns wollen lieber in den Armen ihrer Lieben sein, zuhause, auch wenn das bedeutet, dass unsere Zeit gekommen ist … Bedenke, der Tod ist kein Ende. Der Tod bedeutet zurückzukehren nach Hause.”

Wenn das Selbst als ein auf das Andere bezogenes, vom Anderen abhängiges, ja sogar durch das Andere erst existierendes betrachtet wird, vermischt es sich mit dem Anderen und das Andere vermischt sich mit dem Selbst. Versteht man das Selbst als einen Bewusstseinsknotenpunkt in einer Beziehungsmatrix, wird man nicht länger nach einem Feind suchen, um jedes Problem zu verstehen, sondern stattdessen nach Ungleichgewichten in den Beziehungen. Der Krieg gegen den Tod macht Platz für das Bestreben gut und voll zu leben, und wir sehen, dass Angst vor dem Tod in Wirklichkeit Angst vor dem Leben ist. Auf wieviel Leben verzichten wir, um sicher zu bleiben?

Totalitarismus – die Perfektion von Kontrolle – ist das unausweichliche Endprodukt der Mythologie vom getrennten Selbst. Was verdient die totale Kontrolle, wenn nicht eine Lebensbedrohung, wie ein Krieg zum Beispiel? Deshalb hat Orwell den ewigen Krieg als eine zwingende Komponente der Herrschaft der Partei identifiziert.

Die angestrebte perfekte Kontrolle über alles, die Leugnung des Todes und die Geschichte vom getrennten Selbst – vor diesem Hintergrund steht die Annahme, dass staatliche Maßnahmen zuvorderst die Sterberate minimieren sollten, nahezu außer Frage. Ein Ziel, dem andere Werte wie Spiel, Freiheit usw. untergeordnet sind. COVID-19 bietet Anlass, diesen Blickpunkt zu erweitern. Ja, lasst uns das Leben heilig halten, noch heiliger als jemals zuvor. Der Tod lehrt uns das. Lasst uns jede Person, jung oder alt, krank oder gesund als das heilige, wertvolle, geliebte Wesen ansehen, das er oder sie ist. Und lasst uns in unseren Herzen auch für andere heilige Werte Platz machen. Das Leben heilig zu halten bedeutet nicht nur, einfach lang zu leben, sondern gut und richtig und voll zu leben.

Wie jede Angst deutet die Angst rund um das Coronavirus auf das, was dahinter liegen mag. Jeder, der das Sterben eines nahen Menschen erlebt hat, weiß, dass der Tod ein Portal zur Liebe ist. COVID-19 hat dem Tod zur Prominenz im Bewusstsein einer Gesellschaft verholfen, die ihn verleugnet. Jenseits der Angst können wir die Liebe sehen, die der Tod befreit. Lasst sie strömen. Lasst sie den Boden unserer Kultur durchtränken und seine wasserführenden Schichten füllen, so dass sie durch die Risse unserer verkrusteten Institutionen, unserer Systeme und unserer Gewohnheiten nach oben sickert. Manche davon mögen auch sterben.

In was für einer Welt wollen wir leben?

Wieviel vom Leben wollen wir auf dem Altar der Sicherheit opfern? Wollen wir zu unserer Sicherheit in einer Welt leben, wo sich Menschen nicht mehr versammeln? Wollen wir zu jeder Zeit Masken in der Öffentlichkeit tragen? Wollen wir uns bei jeder Reise medizinisch untersuchen lassen, wenn das eine bestimmte Zahl von Menschenleben pro Jahr rettet? Sind wir bereit, die allgemeine Medikalisierung[5] des Lebens zu akzeptieren und die Bestimmungshoheit über unsere Körper medizinischen Autoritäten (die von politischen ernannt werden) zu überantworten? Wollen wir, dass jede Veranstaltung eine virtuelle Veranstaltung wird? Wie sehr sind wir bereit in Angst zu leben?

COVID-19 wird irgendwann abebben, aber die Bedrohung durch ansteckende Krankheiten wird bleiben. Unsere Antwort wird den Kurs für die Zukunft bestimmen. Das öffentliche Leben, das gemeinschaftliche Leben und das Leben gemeinsamer Körperlichkeit  ist schon seit einigen Generationen im Schwinden begriffen. Statt in Geschäften einzukaufen, lassen wir uns Sachen nach Hause liefern. Statt Rudeln von Kindern, die draußen spielen, haben wir Play Dates und digitale Abenteuer. Statt des öffentlichen Platzes haben wir ein Online-Forum. Wollen wir fortfahren uns noch weiter voneinander und von der Welt zu isolieren?

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, vor allem, wenn die Abstandsmaßnahmen erfolgreich sein sollten, dass COVID-19 auch über die 18 Monate hinaus fortwirken wird, die es, wie man uns erzählt, dauern wird, bis es vorbei ist. Es ist leicht vorstellbar, dass in dieser Zeit neue Viren auftauchen werden. Es ist leicht vorstellbar, dass Notmaßnahmen normal werden (um die Möglichkeit weiterer Ausbrüche einzudämmen),  genau wie beim Ausnahmezustand nach 9/11, der  heute noch in Kraft ist. Es ist leicht vorstellbar, dass (wie man uns erzählt) eine Wiederansteckung möglich ist, und dass diese Krankheit niemals enden wird. Das bedeutet, die vorübergehenden Veränderungen unser Lebensführung könnten dauerhaft werden.

Wollen wir uns, um das Risiko einer weiteren Pandemie zu senken, dafür entscheiden, für immer in einer Gesellschaft ohne Umarmung und Händeschütteln zu leben? Wollen wir uns dafür entscheiden, in einer Gesellschaft zu leben, in der wir uns nicht mehr in größerer Zahl versammeln? Soll das Konzert, das Sportereignis und das Festival der Vergangenheit angehören? Sollen Kinder nicht mehr mit anderen Kindern spielen? Soll aller menschlicher Kontakt durch Computer und Gesichtsmasken vermittelt werden? Kein Tanzunterricht, kein Fußballtraining, keine Konferenzen und keine Kirchenbesuche mehr? Soll die Reduzierung der Todesfälle der Maßstab sein, an dem der Fortschritt gemessen wird? Heißt menschliche Fortentwicklung Getrenntheit? Ist das die Zukunft?

Dieselbe Frage trifft auch auf die administrativen Werkzeuge zu, die es braucht, um die Bewegungen der Menschen und den Informationsfluss zu kontrollieren. Zum Zeitpunkt, wo ich dies schreibe, geht das ganze Land in Richtung Ausgangssperre. In manchen Ländern muss man sich von einer Regierungs-Webseite ein Formular ausdrucken, um das Haus verlassen zu dürfen. Das erinnert mich an die Schule, wo dein Aufenthaltsort zu jeder Zeit autorisiert sein musste. Oder an ein Gefängnis. Stellen wir uns eine Zukunft elektronischer Passierscheine vor, ein System, in dem Bewegungsfreiheit von Staatsbeamten und ihrer Software zu jeder Zeit verwaltet wird, für immer? Wo jede Bewegung verfolgt wird, ob sie erlaubt ist oder verboten? Und wo, nur zu unserem Schutz natürlich, gesundheitsgefährdende Informationen (welche das sind, wird wieder von verschiedenen Autoritäten entschieden) zu unserem eigenen Besten zensiert werden? Fast wie im Kriegszustand akzeptieren wir angesichts einer Notsituation solche Einschränkungen und geben vorübergehend unsere Freiheiten auf. Ähnlich wie 9/11 übertrumpft COVID-19 alle Vorbehalte.

Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es die technologischen Möglichkeiten, eine solche Vision tatsächlich zu realisieren, zumindest in der industrialisierten Welt (zum Beispiel durch die Verwendung von Ortungsdaten des Mobilfunks um räumliche Distanzierung durchzusetzen; siehe auch hier). Nach einem holprigen Übergang könnten wir in einer Gesellschaft leben, wo fast alles Leben online geschieht: Einkauf, Meetings, Unterhaltung, Kontakte, Arbeit, selbst die Rendezvous. Ist es das, was wir wollen? Wieviele gerettete Leben ist das wert?

Ich bin sicher, dass viele der Kontrollmaßnahmen, die heute in Kraft sind, in ein paar Monaten teilweise wieder gelockert werden. Teilweise gelockert, aber jederzeit griffbereit. Solange ansteckende Krankheiten kursieren, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie in Zukunft immer wieder in Kraft gesetzt werden, oder wir erlegen sie uns als neue Gewohnheiten selbst auf. Wie Deborah Tannen in einem Politico-Artikel über die anhaltenden Veränderungen, die das Coronavirus der Welt bringen wird, schreibt: “Wir wissen nun, dass Dinge anzufassen, in der Nähe anderer Menschen zu sein und Luft in geschlossenen Räumen zu atmen, riskant sein kann… Es könnte zu unserer zweiten Natur werden, vor einem Händedruck oder Berührungen des Gesichts zurückzuschrecken, und so wie wir uns pausenlos die Hände waschen, könnte man fürchten, dass wir alle einer kollektiven Zwangsstörung zum Opfer fallen.” Gipfelt der Fortschritt der Menschheit nach Tausenden, ja Millionen von Jahren der Berührung, des Kontakts und des Zusammenseins darin, solche Aktivitäten einzustellen, weil sie zu riskant sind?

Leben ist Gemeinschaft

Das Paradox am Programm der Kontrolle ist, dass es uns unseren Zielen nur selten näher bringt. Trotz all der Sicherheitssysteme in fast jedem Eigenheim der oberen Mittelklasse sind die Menschen nicht weniger ängstlich und unsicher als noch vor einer Generation. Trotz ausgeklügelter Sicherheitsmaßnahmen gibt es in Schulen nicht weniger Amokläufe. Trotz phänomenaler Fortschritte in der Medizintechnik sind die Menschen in den letzten 30 Jahren nicht gesünder geworden, eher im Gegenteil. Chronische Krankheiten haben sich ausgebreitet und die Lebenserwartung stagniert. In den USA und Großbritannien ist sie sogar rückläufig.

Die getroffenen Maßnahmen zur Kontrolle von COVID-19 könnten am Ende ebenfalls mehr Leid und Tod zu Folge haben, als sie  verhindern. Die Zahl der Toten zu minimieren heißt jene Todesfälle zu verringern, die wir vorhersagen und erfassen können. Es ist unmöglich zu erfassen, wie viele Menschen möglicherweise zusätzlich sterben, z.B. aufgrund von Depressionen durch die Isolation oder Verzweiflung, weil sie ihre Arbeit verloren haben. Oder durch verringerte Immunkompetenz und zerrüttete Gesundheit wegen chronischer Angst. Es wurde gezeigt, dass Einsamkeit und fehlender sozialer Kontakt entzündliche ProzesseDepressionen und Demenz begünstigen. Laut Dr. Lissa Rankin erhöht sich das Sterberisiko durch Luftverschmutzung um 6%, durch Adipositas um 23%, durch Alkoholmissbrauch um 37% und durch Einsamkeit um 45%.

Eine weitere Gefahr, die wir noch nicht auf dem Radar haben, entsteht durch die Minderung der Immunkompetenz aufgrund von übermäßiger Hygiene und Distanzierung. Nicht nur der soziale Kontakt ist für die Gesundheit notwendig, sondern auch der Kontakt mit der mikrobiellen Welt. Im Allgemeinen sind Mikroben nicht die Feinde unserer Gesundheit, sondern unsere Verbündeten. Eine artenreiche Darmflora, welche Bakterien, Viren, Hefen und andere Organismen umfasst, ist entscheidend für ein gut funktionierendes Immunsystem, und ihr Artenreichtum wird durch den Kontakt mit anderen Menschen und mit der Welt des Lebendigen aufrecht erhalten. Exzessives Händewaschen, übermäßiger Gebrauch von Antibiotika, aseptische Reinlichkeit und fehlender menschlicher Kontakt kann mehr schaden als nützen. Die dadurch verursachten Allergien und Autoimmun-Erkrankungen könnten schlimmer sein als die Infektionskrankheit, welche sie verhindern sollen. Gesundheit entsteht sowohl gesellschaftlich als auch biologisch durch Gemeinschaft. Das Leben gedeiht nicht in der Isolation.

Die Welt im Sinne eines „Wir-Gegen-Die“ zu sehen, macht uns blind gegenüber der Tatsache, dass Leben und Gesundheit in der Gemeinschaft geschehen. Wenn wir die Infektionskrankheiten als Beispiel nehmen, scheitern wir daran, über den bösen Erreger hinaus schauen und zu fragen: Was ist die Rolle von Viren im Mikrobiom? Was sind die körperlichen Vorbedingungen, unter denen sich schädliche Viren ausbreiten? Warum haben manche Menschen milde Symptome und andere einen schweren Verlauf (lassen wir das Totschlagargument der „erhöhten Infektanfälligkeit”, das gar  nichts erklärt, mal beiseite)? Welche positive Rolle könnten Grippe, Erkältungen und andere nicht tödliche Krankheiten für den Erhalt unserer Gesundheit spielen?

Ein „Krieg-gegen-den-Keim“- Denken führt zu Resultaten, wie sie der Krieg gegen den Terror, der Krieg gegen das Verbrechen, der Krieg gegen das Unkraut und all die anderen endlosen politischen und zwischenmenschlichen Kriege liefern. Erstens führt es zu Krieg ohne Ende, zweitens lenkt es die Aufmerksamkeit von den Grundbedingungen ab, die dazu führen, dass es Krankheit, Terrorismus, Verbrechen, Unkräuter und den ganzen Rest überhaupt gibt.

Trotz der beständigen Behauptung der Politiker, sie führten Krieg für die Sache des Friedens, gebiert Krieg unweigerlich mehr Krieg. Länder zu bombardieren, um Terroristen zu töten, lässt nicht nur die Grundbedingungen für die Entstehung von Terrorismus außer Acht, es verschlimmert diese Bedingungen sogar. Kriminelle wegzusperren lässt nicht nur die Entstehungsbedingungen von Kriminalität außer Acht, es erschafft genau diese Bedingungen, indem es Familien  und Gemeinschaften trennt, und indem es die Eingesperrten in ein kriminelles Milieu zwingt. Und die Anwendung von Antibiotika, Impfungen, antiviralen und anderen Medikamenten richten in der Körper-Ökologie, dem Fundament einer starken Immunkompetenz, großes Unheil an. Außerhalb des Körpers werden die massiven Sprühkampagnen, die durch das Zika-Virus, Dengue Fieber und nun COVID-19 ausgelöst wurden, ungeahnte Schäden auf die Ökologie der Natur zur Folge haben. Hat irgendwer sich überlegt, welche Auswirkungen es auf ein Ökosystem hat, wenn wir es mit antiviralen Substanzen tränken? Solche Methoden (wie sie an verschiedenen Orten in China und Indien tatsächlich umgesetzt wurden) sind nur denkbar aus der Geisteshaltung der Getrenntheit, die nicht versteht, dass Viren unverzichtbar zum Netzwerks des Lebens gehören.

Um die Grundbedingungen zu verstehen, hier ein paar Mortalitätsstatistiken aus Italien (vom Nationalen Gesundheitsinstitut) basierend auf einer Analyse hunderter COVID-Todesfälle: Von den erfassten Fällen hatten weniger als ein Prozent keine ernsten chronischen Nebenerkrankungen. Etwa 75% litten an Bluthochdruck, 35% an Diabetes, 33% an Erkrankungen der Herzkranzgefäße, 24% an Herzvorhofflimmern, 18% an Niereninsuffizienz, neben anderen Bedingungen, die ich aus dem italienischen Bericht nicht entziffern konnte. Fast die Hälfte der Verstorbenen hatte drei oder mehr dieser ernsten Pathologien. Amerikaner, stark betroffen von Adipositas, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten, sind mindestens ebenso anfällig wie die Menschen in Italien. Sollen wir also dem Virus, (das wenige, ansonsten gesunde, Menschen das Leben kostete) die Schuld geben oder der schlechten Grundgesundheit? Hier trifft wieder die Analogie mit dem überdehnten Seil zu. Millionen von Menschen in der modernen Welt befinden sich in einem bedenklichen Gesundheitszustand, und es ist nur eine Frage der Zeit, dass etwas eigentlich Triviales auftaucht und ihnen den Rest gibt. Natürlich wollen wir ihnen  kurzfristig erst einmal das Leben retten; wir laufen dabei aber Gefahr, uns in einer endlosen Abfolge von kurzfristigen Lösungen zu verlieren. Wir bekämpfen eine Infektionskrankheit nach der anderen und kümmern uns nie um die Grundbedingungen, die die Menschen so anfällig machen. Das ist ein viel schwierigeres Problem, denn diese Grundbedingungen werden sich nicht durch einen Kampf verändern lassen. Es gibt kein Pathogen hinter Diabetes oder Adipositas, Sucht, Depression oder PTBS [Posttraumatischer Belastungsstörung]. Ihre Ursachen sind nicht das Andere, nicht irgendein von uns separates Virus, und wir die Opfer.

Selbst bei Krankheiten wie COVID-19, wo wir ein krankmachendes Virus benennen können, sind die Verhältnisse nicht so einfach wie ein Krieg zwischen Virus und Opfer. Zur Keimtheorie von Krankheit gibt es eine Alternative, nach der Keime als Teil eines weiter gefassten Prozesses erachtet werden. Wenn die Bedingungen stimmen, vermehren sie sich im Körper und töten dabei manchmal den Wirt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass sich die Bedingungen, die überhaupt erst zur Infektion geführt haben, verbessern, beispielsweise indem sie den Körper anregt, angereicherte giftige Abfälle mittels Schleimabsonderung auszuscheiden oder sie (metaphorisch gesprochen) durch ein Fieber verbrennt. Diese Alternative wird manchmal Terrain-Theorie genannt und besagt, dass Keime eher als Symptom, denn als Ursache einer Krankheit zu sehen sind. Das drückt sich in folgendem Mem aus: “Dein Fisch ist krank. Keimtheorie: isoliere den Fisch! Terrain-Theorie: reinige das Aquarium!”

Eine Art Schizophrenie hat die moderne Gesundheitskultur befallen. Einerseits gibt es eine wachsende Wellness-Bewegung, in der alternative und holistische Medizin begrüßt wird. Es werden Kräuter, Meditation und Yoga empfohlen, um das Immunsystem zu stärken. Die emotionale und spirituelle Dimensionen von Gesundheit, etwa die Kraft der eigenen Einstellung und des Glaubens daran, zu erkranken oder zu gesunden, wird anerkannt. All dies scheint unter dem Tsunami von COVID begraben worden zu sein, und die Gesellschaft fällt auf ihre alte Orthodoxie zurück.

Ein typisches Beispiel: Akupunkteure in Kalifornien wurden gezwungen, die Arbeit einzustellen, weil man sie für “nicht systemrelevant” hält. Das ist aus Sicht der konventionellen Virologie komplett einleuchtend. Aber wie eine Akupunkteurin auf Facebook beobachtete: “Was ist mit meinem Patienten, mit dem ich arbeite, um von den Opiaten gegen seine Rückenschmerzen loszukommen? Er wird sie nun wieder nehmen müssen.” Aus Sicht der medizinischen Autoritäten sind alternative Herangehensweisen, soziale Interaktion, Yoga-Gruppen, Nahrungsergänzungsmittel und so weiter belanglos wenn es um eine echte Krankheit geht, die von einem echten Virus ausgelöst wird. Im Angesicht einer Krise werden sie in das ätherische Reich der “Wellness” verbannt. Das Wiedererstarken der Orthodoxie unter COVID-19 ist so heftig, dass alles, was auch nur entfernt unkonventionell erscheint, wie etwa intravenöse Injektionen mit Vitamin C bis vor zwei Tagen komplett vom Tisch war (es gibt nach wie vor Artikel, die den “Mythos”, dass Vitamin C gegen COVID-19 helfen könnte, “entlarven”). Auch habe ich nicht gehört, dass die amerikanische Gesundheitsbehörde den Nutzen von Holunder-Extrakt, medizinischen Pilzen, Zuckerverzicht, ACC (Acetylcystein), Tragant (Astragalus) oder Vitamin C gepredigt hätte. All dies sind aber keine schwammigen Spekulationen über “Wellness”, sondern sie werden gestützt durch umfangreiche Forschung und physiologische Erklärungen. Zum Beispiel konnte für ACC (generelle Info und eine Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie) eine sehr deutliche Reduktion des Auftretens und der Schwere von Symptomen grippeartiger Krankheiten gezeigt werden.

Wie die obigen Statistiken über Autoimmunität, Adipositas etc. nahelegen, stehen Amerika und die gesamte moderne Welt ganz allgemein einer Gesundheitskrise gegenüber. Sollten wir als Reaktion nun das, was wir die ganze Zeit getan haben, noch gründlicher treiben? Die bisherige Reaktion auf COVID war, die Orthodoxie zu stärken und unkonventionelle Praktiken und andere Sichtweisen beiseite zu fegen. Eine andere Antwort wäre, den Blick zu weiten und das Gesamtsystem zu untersuchen, einschließlich der Frage, wer dafür bezahlt, wie Zugriff gewährt wird und wie Forschung finanziert wird. Aber auch die einschließende Ausweitung auf randständige Felder, wie Heilkräuter-Medizin, funktionale Medizin und Energiemedizin gehören dazu. Vielleicht können wir diese Gelegenheit nutzen, um die vorherrschenden Theorien zu Krankheit, Gesundheit und  Körper neu zu bewerten. Ja, lasst uns die erkrankten Fische schützen so gut wir können, und zwar jetzt. Aber vielleicht müssen wir nächstes Mal nicht so viele Fische isolieren und mit Medikamenten voll pumpen, wenn wir das Aquarium reinigen.

Ich sage nicht, rennt jetzt los und kauft ACC oder irgendein anderes Supplement, und ich sage auch nicht, dass die Gesellschaft abrupt ihre Reaktion ändern sollte, die physische Distanzierung abbrechen und stattdessen Supplemente einnehmen sollte. Aber wir können den Bruch der Normalität nutzen – dieses Innehalten an der Wegkreuzung – um bewusst zu entscheiden, welchen Weg wir in Zukunft nehmen wollen: welche Art von Gesundheitssystem, welches Paradigma über Gesundheit und was für eine Art von Gesellschaft. Diese Neubewertung geschieht bereits, nun da Ideen wie eine universelle und freie Gesundheitsversorgung in den USA zunehmend an Fahrt aufnehmen. Und dieser Weg führt wiederum zu Verzweigungen. Welche Art von Gesundheitssystem soll universell werden? Wird es nur für alle verfügbar sein, oder für alle verpflichtend – jede Bürgerin eine Patientin, vielleicht mit einem unsichtbaren Barcode-Tattoo, um sicherzustellen, dass ein jeder auch alle Impfungen erhalten und Vorsorgeuntersuchungen absolviert hat. Dann darfst du zur Schule gehen, ein Flugzeug besteigen oder ein Restaurant betreten. Das wäre ein Weg in die Zukunft, der uns offen steht.

Es bietet sich aber auch eine andere Möglichkeit. Statt die Kontrolle noch zu verstärken, könnten wir endlich die holistischen Modelle und Praktiken, die am Rand darauf gewartet haben, dass sich das Zentrum auflöst, damit wir sie jetzt in unserem gedemütigten Zustand ins Zentrum rücken und ein neues System um sie herum errichten.

Die Krönung

Es gibt eine Alternative zur perfekten Kontrolle, die unsere Zivilisation so lange angestrebt hat, und die sich mit jedem Fortschritt wieder ein Stück weit entzieht, wie eine Fata Morgana am Horizont. Ja, wir können den bisherigen Weg in Richtung zunehmender Vereinsamung, stärkerer Abschottung, mehr Herrschaft und größerer Getrenntheit fortsetzen. Wir können zulassen, dass mehr Getrenntheit und Kontrolle normal werden, im Glauben sie seien nötig um uns Sicherheit zu gewähren, und eine Welt akzeptieren, in der wir uns davor fürchten, einander nah zu kommen. Oder wir können diese Pause, diese Unterbrechung der Normalität zum Anlass nehmen, einen Weg in Richtung Wiedervereinigung, Ganzheitlichkeit, Wiederherstellung von verlorenen Beziehungen und Gemeinschaft und unserer Wiedereingliederung in das Netz des Lebens einzuschlagen.

Verdoppeln wir unsere Anstrengungen, das vereinzelte Selbst zu beschützen? Oder nehmen wir die Einladung in eine Welt an, auf der wir alle gemeinsam sind? Nicht nur in der Medizin begegnen wir dieser Frage: sie taucht auch in der Politik, in der Wirtschaft und im persönlichen Leben auf. Nimm  zum Beispiel das Hamstern, das die Vorstellung zum Ausdruck bringt: „Es wird nicht für alle reichen, also werde ich dafür sorgen, dass für mich genug da ist.“ Man könnte auch so darauf reagieren: „Manche haben nicht das, was sie brauchen, also werde ich mit ihnen teilen.“ Preppen[6] oder helfen? Worum geht es im Leben?

Und allgemeiner stellen Menschen jetzt Fragen, die bis dato eher nur Aktivistenkreise beschäftigt haben. Was können wir für die wohnungslosen Menschen machen? Was für die, die im Gefängnis sitzen? Die, die in den Slums leben? Was sollen wir mit den Arbeitslosen machen? Was ist mit den Zimmermädchen, den Uber-Fahrern, den Installateurinnen und den Hauswarten und Busfahrerinnen und Kassierern, die nicht von zu Hause aus arbeiten können? Und so blühen endlich Ideen wie der Schuldenerlass für Ausbildungskredite und das Bedingungslose Grundeinkommen auf. Die Frage „Wie schützen wir die von COVID Bedrohten?“ lädt uns ein, weiter zu fragen: „Wie kümmern wir uns um die verletzlichen Menschen in unserer Gesellschaft?“

Das nämlich ist der Impuls, der sich in uns rührt, einmal abgesehen von Oberflächlichkeiten wie unseren persönlichen Meinungen über den Schweregrad von COVID, die Herkunft des Coronavirus oder welche politischen Maßnahmen angebracht sind. Der Impuls ist: „Lasst uns jetzt wirklich aufeinander achtgeben. Erinnern wir uns daran, wie wertvoll jeder und jede von uns ist und wie kostbar das Leben. Machen wir eine Bestandsaufnahme unserer Zivilisation, zerlegen wir sie in ihre Einzelteile, und schauen wir, ob wir daraus nicht eine viel schönere bauen können.“

Durch die Erfahrungen des Mitgefühls, das COVID jetzt in uns weckt, stimmen immer mehr von uns in die Erkenntnis ein, dass wir nicht mehr in die alte Normalität, die das Mitgefühl so schmerzlich vermissen ließ, zurück wollen. Jetzt haben wir die Gelegenheit, eine neue, mitgefühlsreichere Normalität zu schmieden.

Überall finden sich Anzeichen, dass das gerade passiert. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die lange eine Geißel herzloser Kapitalinteressen zu sein schien, hat hunderte Milliarden Dollar für Direktzahlungen an Familien freigegeben. Donald Trump, nicht gerade als ein Paradebeispiel des Mitgefühls berühmt, hat ein Moratorium für Zwangsvollstreckungen und Zwangsräumungen verhängt. Gewiss, man kann diese Entwicklungen auch zynisch sehen; aber nichtsdestotrotz verkörpern sie das Prinzip der Sorge um die Verwundbaren.

Aus allen Winkeln der Welt hören wir Geschichten von Solidarität und Heilung. Eine Freundin schickte je $100 an zehn Unbekannte in schlimmer Notlage. Mein Sohn, der bis vor wenigen Tagen bei Dunkin‘ Donuts gearbeitet hat, sagte, dass die Leute fünfmal mehr Trinkgeld gegeben haben – und das sind Leute aus der Arbeiterklasse, viele von ihnen lateinamerikanische LKW-Fahrer, die selbst wirtschaftlich prekär leben. Ärztinnen, Krankenpfleger und sogenannte „unentbehrliche Arbeitskräfte“ riskieren ihr Leben im Dienst an der Öffentlichkeit. Hier ein paar Beispiele solcher Entladungen von Liebe und Güte, mit freundlicher Genehmigung von ServiceSpace:

Vielleicht sind wir schon mittendrin, uns in diese neue Geschichte einzuleben. Stelle Dir  vor: die Italienische Luftwaffe verwendet Pavarotti, das Spanische Militär hilft Zivilisten, und die Straßenpolizei spielt Gitarre – um zu inspirieren. Firmen erhöhen unerwartet die Gehälter. Die Kanadier haben eine Initiative gestartet, bei der sie aktiv Güte und Freundlichkeit statt Angst und Panik verbreiten. Ein sechsjähriges Mädchen in Australien spendet entzückend ihr Zahnfee-Geld, eine dreizehnjährige Japanerin näht 612 Masken und Studenten auf der ganzen Welt gehen für ältere Menschen einkaufen. Kuba schickt eine Armee in „weißen Mänteln“ (Ärzt*innen) um Italien zu helfen. Ein Vermieter stundet seinen Mietern die Aprilmiete, das Gedicht eines irischen Priesters verbreitet sich viral, körperbehinderte Aktivist*innen erzeugen Desinfektionsmittel. Stellen Sie sich das vor. Manchmal fördert eine Krise unseren innersten Impuls zutage: dass wir immer mit Mitgefühl reagieren können.

Wie Rebecca Solnit in ihrem wunderbaren Buch „A Paradise Built in Hell“ schreibt, bringen Katastrophen häufig Solidarität zum Aufblühen. Eine schönere Welt schimmert ganz nah unter der Oberfläche und poppt auf, sobald die Systeme, die sie unter Wasser halten, ihren Griff lockern.

So lange sind wir als Kollektiv angesichts einer immer krankmachenderen Gesellschaft hilflos dagestanden. Sei es die Verschlechterung der Gesundheit, der Verfall von Infrastruktur, Depression, Selbsttötung, Sucht, Umweltzerstörung, ungleiche Reichtumsverteilung – die Symptome der misslichen Lage, in der sich die Zivilisation in der entwickelten Welt befindet, sind unübersehbar, aber wir haben uns in den Systemen und Mustern, die sie verursachen, verstrickt. Jetzt hat uns das Coronavirus einen Neuanfang geschenkt.

Eine Million Wege gabeln sich vor uns auf. Das Bedingungslose Grundeinkommen könnte der wirtschaftlichen Unsicherheit ein Ende bereiten und die Kreativität aufblühen lassen, indem Millionen von jener Arbeit befreit werden, die, wie uns das Coronavirus zeigt, weniger notwendig ist als bisher angenommen. Es könnte aber auch angesichts der Schließung kleiner Betriebe dazu kommen, dass die Abhängigkeit von staatlichen Geldern, die an strikte Bedingungen geknüpft sind, zunimmt. Die Krise könnte in den Totalitarismus oder in die Solidarität führen, zu medizinischem Kriegsrecht oder einem Wiedererwachen eines ganzheitlichen Ansatzes, zu einer größeren Furcht vor der Welt der Keime oder größerer Kompetenz im Umgang mit den Mikroorganismen, zu einer neuen, dauerhaften Norm des Abstandhaltens oder zu einem erneuten Wunsch, einander näher zu kommen.

Was kann uns als Einzelne und als Gesellschaft leiten, die wir durch diesen Garten sich verzweigender Wege gehen? An jeder Wegkreuzung können wir uns bewusst machen, wovon wir uns leiten lassen: Angst oder Liebe? Selbstschutz oder Großherzigkeit? Sollen wir in Angst leben und eine darauf basierende Gesellschaft errichten? Sollen wir leben, um unsere abgetrennten Egos zu wahren? Sollen wir die Krise als Waffe gegen unsere politischen Feinde nutzen? Dies sind keine alles-oder-nichts-Fragen, nur Angst oder nur Liebe. Sondern ein nächster Schritt in Richtung Liebe liegt vor uns. Er fühlt sich wagemutig an, aber nicht leichtsinnig. Er umspannt die Wertschätzung des Lebens und zugleich die Anerkennung des Todes. Er kommt aus dem Vertrauen darauf, dass mit jedem neuen Schritt der nächste sichtbar wird.

Bitte glaub nicht, es sei eine reine Willensfrage, sich zwischen Angst und Liebe zu entscheiden, oder dass die Angst wie ein Virus besiegt werden kann. Das Virus, mit dem wir es hier zu tun haben, ist Angst, sei es die Angst vor COVID-19 oder die Angst vor einer totalitären Reaktion darauf, und dieses Virus hat auch seinen Nährboden. Angst gemeinsam mit Sucht, Depression und einer ganzen Reihe körperlicher Leiden gedeiht auf diesem Boden von Getrenntheit und Trauma: dem vererbten Trauma, dem Kindheitstrauma, der Gewalt, dem Krieg, dem Missbrauch, der Missachtung, der Scham, der Bestrafung, der Armut und dem stillschweigend zur Normalität gehörenden Trauma, das fast jede und jeden betrifft, der in einer monetarisierten Gesellschaft lebt, moderne Beschulung absolviert oder ohne Gemeinschaft oder Ortsverbundenheit lebt. Dieser Boden kann verändert werden durch Traumaheilung auf einer persönlichen Ebene, durch systemischen Wandel hin zu einer Gesellschaft mit mehr Mitgefühl, und durch eine Neuerzählung der Geschichte, die unsere Welt erklärt, und die momentan von der Getrenntheit handelt: Vom getrennten Selbst in einer Welt des Anderen – ich getrennt von dir, die Menschheit getrennt von der Natur. Allein zu sein ist eine Urangst, und die moderne Gesellschaft hat mehr und mehr dazu geführt, dass wir allein sind. Aber die Zeit der Wiedervereinigung ist da. Jede Geste des Mitgefühls, der Güte und Freundlichkeit, des Mutes und der Großherzigkeit heilt uns von der Geschichte der Getrenntheit, denn sie versichert beiden, Handelnden und Zeugen der Handlung, dass wir im selben Boot sitzen.

Ich werde zum Abschluss noch eine weitere Dimension der Beziehung zwischen Mensch und Virus ins Feld führen. Viren sind wesentlich für die Evolution, nicht nur die der Menschen, sondern aller Eukaryonten. Viren können DNA von einem Organismus zum anderen transportieren, manchmal auch in die Keimbahn (wodurch die Änderung erblich wird). Bekannt unter der Bezeichnung „Horizontaler Gentransfer“ ist das ein Grundmechanismus der Evolution, der es dem Leben ermöglicht, gemeinsam viel schneller zu evolvieren, als es durch rein zufällige Mutation möglich wäre. Lynn Margulis hat es einmal so ausgedrückt: „Wir sind unsere Viren.“

Und jetzt betrete ich spekulatives Terrain: Vielleicht haben die großen Krankheiten unserer Zivilisation unsere biologische und kulturelle Evolution beschleunigt, vielleicht verleihen sie uns genetische Schlüsselinformation und ermöglichen uns beides, eine individuelle und eine kollektive Initiation. Könnte die herrschende Pandemie genau das sein? Neue RNA-Codes breiten sich von Mensch zu Mensch aus und versorgen uns mit neuer genetischer Information. Gleichzeitig empfangen wir, gemeinsam mit den biologischen, andere, esoterische „Codes“, die unsere Narrative und Systeme unterbrechen – so wie die Krankheit die Physiologie des Körpers unterbricht. Das Phänomen folgt dem Muster einer Initiation: Eine Unterbrechung der Normalität gefolgt von einer Zwangslage, einem Zusammenbruch oder einer Feuerprobe, gefolgt von (wenn sie komplett sein soll) der Reintegration und einem Fest.

Jetzt stellt sich die Frage: eine Initiation in was? Was ist die genaue Natur und der Zweck dieser Initiation? Der Name des Virus gibt einen Hinweis: Coronavirus. Eine Corona ist eine Krone. „Neue Coronavirus Pandemie“ bedeutet: „eine neue Krönung für alle“.

Es ist schon zu spüren, welche Macht uns verliehen werden könnte. Ein wahrer Souverän läuft nicht weg aus Angst vor dem Leben oder Angst vor dem Tod. Ein wahrer Souverän beherrscht nicht und unterwirft nicht (das macht sein Schatten-Archetyp, der Tyrann). Ein wahrer Souverän dient den Menschen, dient dem Leben und respektiert die Souveränität aller Menschen. Die Krönung markiert das Hervortreten des Unbewussten in das Bewusste, die Kristallisation von Chaos in Ordnung, die Überwindung von Zwang und dessen Umwandlung in eine bewusste Entscheidung. Wir werden die Regenten dessen, was uns regiert hat. Die neue Weltordnung, die die Verschwörungstheoretiker fürchten, ist ein Schattenbild der grandiosen Möglichkeit, die souveränen Wesen offen steht. Nicht länger Vasallen der Angst, können wir Ordnung im Königreich machen und eine Gesellschaft aufbauen, die sich auf die Liebe einigt, die schon durch die Ritzen in der Welt der Getrenntheit schimmert.


 

[1] d.Ü.: Metapher für ein Ereignis, das selten und höchst unwahrscheinlich ist.

[2] d.Ü.: Enthüllung von UFO-Phänomenen.

[3] d.Ü.: In Deutschland 2019 kam die Polizei zu meiner Haustür, weil zwei meiner Kinder tagsüber etwa 80m von der Haustüre entfernt in einem verkehrsberuhigten Wohngebiet auf dem Bürgersteig spielend gesehen wurden, ohne die Mutter.

[4] d. Ü.: „Story of Separation“ ist ein Leitbegriff in Eisensteins Werk. „Separation“ wurde teils auch in deutschen Übersetzungen beibehalten. Wegen seiner Vieldeutigkeit sind Autor und Übersetzer-Team mit diesem Terminus nicht ganz zufrieden. Wir haben uns hier für „Getrenntheit” entschieden. Möglich wäre auch „Abspaltung“ oder „Abgespaltenheit“.

[5] d.Ü.: Medikalisierung ist die Bezeichnung für einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess, bei dem menschliche Lebenserfahrungen und Lebensbereiche in den Fokus systematischer medizinischer Erforschung und Verantwortung rücken, die vorher außerhalb der Medizin standen. (Quelle: Wikipedia)

[6] d.Ü.: siehe Prepper auf Wikipedia

GAIA – Global Activation of Intention and Action

Die alten Systeme sind an ihre Grenzen gekommen, wir wollen Teil eines neuen Narrativs werden – aber wer weiss denn wie?

Das Bild des “U”, das Otto Scharmer in seiner Theory U entwickelt hat habe ich aus älteren Unterlagen entnommen. Für den Prozess GAIA habe ich ein (Nachrücker)Ticket bekommen und konnte deshalb gestern, am Ostermontag online zusammen kommen und  die Lernreise fortsetzen, die  mit dem Presencing Institut gestartet wurde. GAIA: “eine spontane globalen Infrastruktur für Sinngebung, die sich in unseren gegenwärtigen Moment der Erschütterung hineinbeugt und uns in diesem Moment auf eine zivilisatorische Erneuerung hin bewegt.” (etwas holprig übersetzt, sorry)

Einige Jahre lang habe ich in München am U-lab teilgenommen und bin froh über diese Möglichkeit online – und hoffentlich bald auch in einem kleinen, vielleicht gar lokalen Coaching-Circle.

Gemeinsam wollen wir  essentielle Fragen stellen, um nach Keimlingen einer neuen Weltsicht Ausschau zu halten. Neueinsteiger*innen sind auch herzlich willkommen. 

Aufgrund der starken Nachfrage und der limitierten Teilnehmerzahl auf 500, wird die Veranstaltung aufgenommen und auf youtube live gestreamt. Ebenfalls wird die Aufnahme dort auch zur späteren Ansicht verfügbar sein. 

Vielleicht magst du dich anschließen. Ich jedenfalls brauche als Antidot gegen die (neurotische) Angst, die ja vom Mind kommt die positive Vision einer Zukunft, in der ich leben möchte. 

Denn wie im Text von Pierre Stutz braucht es die Ausrichtung:

Meine Trotzdem-Hoffnung
 
Schwere kann mich bewohnen
schon beim Erwachen
mich mit Angst umhüllen
die mich vom Vertrauen entfernt
 
Trotzdem stehe ich jeden Morgen auf
in der hoffenden Achtsamkeit
mich nicht auf meine Schwere zu reduzieren
weil ich mehr bin als meine Ohnmacht
 
Erschütterung kann mich lähmen
über unsere Hartherzigkeit
die Millionen von Flüchtlinge
in ihrem Überlebenskampf alleine lässt
 
Trotzdem stehe ich jeden Morgen ein
für eine gewaltfreie Widerstandskraft
die mich mit vielen Menschen verbindet
auf dem Weg zu einem teilenden Miteinander
 
Verzweiflung kann mich einschliessen
im Verlies der bedrückenden Isolation
das mich gefangen halten will im Irrtum
alles im Griff haben zu müssen
 
Trotzdem stehe ich jeden Morgen hinein
in den unaufhaltsamen Segenskreis
der mich und andere zerbrechlich-kraftvoll
zum Segen werden lässt für eine zärtlichere Welt
 
Wut und Trauer kann mich umzingeln
über die mangelnde Bereitschaft
neue Wirtschaftsformen zu entwickeln
die weder Menschen noch Natur ausbeuten
 
Trotzdem stehe ich jeden Morgen auf
für jene unbändige Hoffnung
zu der mich Jeschuah anstiftet:
Auf(er)stehen für Frieden in Gerechtigkeit”

 

www.lebenswendezeiten.de

rotzdem stehe ich jeden Morgen auf
in der hoffenden Achtsamkeit
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Neustart ins Gemeinwohl

In der TAZ  wurde eine Fiktive Rede der Kanzlerin veröffentlicht. 

Das komplexe Geschehen hier und auf der Welt überblicke ich absolut nicht – was ich aber sicher weiß und wofür ich mich seit Jahrzehnten engagiere  ist der Wandel von Gesellschaftsstrukturen. Die dritte Säule der Gewaltfreien Kommunikation ist der soziale Wandel, der die strukturelle Gewalt beenden hilft. 

Das Konzept der Gemeinwohlökonomie beschäftigt mich auch schon sehr lange und ich habe hier auch einige Artikel dazu gepostet. Der Name Christian Felber und damit auch eine neue Art der Formung des Gemeinwohls durch das sogenannte Systemische Konsensieren ist damit zutiefst verbunden. Christian Felber hat in diesen Wochen einen Podcast begonnen, den du hier nachhören kannst. 

 

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Rechtsstaat & Demokratie

Über eine Freundin aus dem integralen Salon haben  mich heute folgende Nachrichten erreicht.  Ich bin dankbar, in einem Land mit einem Grundgesetz und funktionierender Demokratie zu leben. So kann ich zuversichtlich sein, dass die Anliegen und Bedürfnisse aller mehr wahrgenommen und berücksichtigt werden als in den letzten Wochen.

 

Denken erwünscht –  es bleibt spannend

……die gute Nachricht heute Morgen lautet: Die deutsche Demokratie lebt. Nach Wochen der Schockstarre und der fast bedingungslosen Zustimmung zur Corona-Politik der Regierung rührt sich Widerstand.

Angesichts von Kontaktverbot, Versammlungsverbot, Demonstrationsverbot und einer extrem eingeschränkten Reisefreiheit in Deutschland kann sich dieser Widerstand nicht in körperlicher Präsenz und damit auch nicht in fernsehtauglichen Demonstrationszügen manifestieren. Aber die Stille vorm Bundeskanzleramt täuscht. Wer sich einen Sinn für die unterirdischen Energieströme der Gesellschaft bewahrt hat, der spürt die Vibration.

Auch ohne Organisationskomitee und schriftlich fixierte Protestplattform hat sich ein Widerstand formiert, der Medizinjuristen, Schriftsteller, Kulturschaffende, Wirtschafts-experten und Publizisten unterschiedlichster Couleur in ihrem Zweifel an der Verhältnismäßigkeit dieser Politik vereint. Warum so radikal? Warum alle? Wie lange noch? Wenn diese bislang unsichtbare Bewegung ein Logo besäße, wäre es das Fragezeichen:

Zu den wirkungsmächtigen Stimmen gehört die Schriftstellerin, Sozialdemokratin und brandenburgische Verfassungsrichterin Juli Zeh („Unterleuten“, „Neujahr“). Im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ entfaltet sie eine juristisch-politische Argumentationskette, die man auch als heftige Kritik an der schläfrigen Opposition im Berliner Reichstag begreifen kann…hier kannst du den ganzen langen Text lesen..mehr

Mich lässt es ein wenig aufatmen. 

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Meditation zu einem besonderen astrologischen Zeitpunkt.

Dass die Welt  auf eine besondere Weise EINE WELT ist, ist derzeit sichtbar und erlebbar.

Seit Jahrtausenden ist Astrologie Menschheitswissen – und heute Nacht beginnt etwas Besonderes:  die Konjunktion von Jupiter und Pluto am 5.4.2020 Von heute Abend bis morgen wird in vielen Teilen der Welt meditiert und jene Online-Version, die ich kenne findet jetzt gerade statt. Höre mal rein, gerade eben spricht Mooji.  Auch Richard Rudd wird eine halbe Stunde der Meditations-Begleitung haben. 

Ich werde mir für heute Früh den Wecker stellen und zu einer Meditation aufstehen. Hier kann ich etwas tun und mich mit auf Verbundenheit, Frieden und Liebe ausrichten. 

Ich stelle mir vor, auf dem Heimgarten-Gipfel zu sitzen. 

Erinnern wir uns:  nehmen wir unseren Platz für das Große Ganze ein. Es gibt eine viel größere Harmonie. Du bist wichtig. Dein individueller Beitrag ist wichtig.

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GFK – Praxisabend

Liebe Praxiswillige,

in herausfordernden Zeiten wollen wir uns empathisch verbinden.

Statt zu mir zu kommen, werden wir uns in einem virtuellen Raum treffen. Wir können uns dort sehen und hören und auch DU, der du nicht hier im Würmtal lebst, könntest jetzt dabei sein!  

Das Zoom-Meeting habe ich auf 20 Uhr festgelegt, denn vorher gibt es die Möglichkeit, zu tanzen.

Die Energien hinauszutanzen ist sicher neben spazierengehen, radlfahren eine gute Möglichkeit, für sich ganzheitlich zu sorgen.

Du kannst mit vielen anderen Menschen eine Wave Tanzen. Barbara Theis, die die 5 Rhythmen nach München gebracht hat,

hat nun für jeden Mittwochabend  19:30 Uhr einen Radiostream ermöglicht.

Wie geht es dir in dieser besonderen Zeit?

Vielleicht kannst du das JETZT, die Frühlingssonne auch  genießen  und kannst wie ich dankbar sein, in welch wunderbarer Natur wir leben und spazierengehen dürfen.

Daneben merke ich auch, wie sich immer wieder Angst und Sorge bei mir einschleicht

– v.a. um das, was anderen passieren mag und was die neue Zeit für uns wohl alles bringen wird.

Intensiv beschäftigt mich, wie ich beitragen kann, dass diese Krise ein Startpunkt wird für die Welt von der mein Herz weiß, dass sie möglich ist.
Ich bin überzeugt, dass diese Zeit enorme Chancen und Risiken birgt und dass JedE von uns einen Beitrag dazu leistet wie es nach diesem Reset weitergehen wird.

Die Ausrichtung für den GFK-Praxis-Abend ist ein virtuelles empathisches Zusammenkommen.  In mir ist auch die Absicht, das 14-tägig anzubieten.

Du bist herzlich eingeladen, am nächsten Zoom-Meeting dabei zu sein.

Dafür brauchst du nur das kurze downloaden der entsprechenden Software z.B. von chip.

Bitte kurz Bescheid geben, ob du dabei sein wirst – kontakt@lebenswendezeiten.de – dann bekommst du den Link zugesandt.

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Wurzeln nach unten und oben.

Ich habe kein Geheimnis aus meiner dünnen Resilienz-Schicht aufgrund meiner Lebenserfahrungen gemacht. Ich weiß, dass meine traumatischen Erfahrungen reaktiviert werden. Es braucht also Selbstmitgefühl und die Verbundenheit des erwachsenen Teils mit dem Kind.

So muss ich ich das, was ich bisher gelernt habe täglich mehrfach anwenden. Gedanken beobachten, Herzensgüte-Meditation, mein tägliches Yoga,  den Sonnentanz für mich tanzen und mich in Verbindung fühlen mit Anderen, die das auch tun, Hinausgehen in die Sonne oder joggen/Radfahren – mich verwurzeln nach oben und unten.

Was ich gerne weitergebe in Bezug aufs Erden ist Tanzen – kein Zoom, sondern Musik nach den 5 Rhythmen:  Mittwochs um 19.30 Uhr diesen Link anklicken. 

Diese Woche hat Veit Lindau mit Bewegungsmeditation begonnen, einfach, um all unsere Energien abzuschütteln, abzugeben und uns mit unserer und höheren Kräften zu verbinden. Lassen wir uns vom Leben nehmen und tragen. 

 

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Homodea – Veit Lindau

Integral, optimistisch, bodenständig.

Nach einigen Jahre Pause von Veit Lindau und seinem Team habe ich in diesen Wochen begonnen, den Lifecharger um 9 Uhr anzuschauen. Ich staune über die Kraft und Zuversicht, die er ausstrahlt, die Fülle seines Wissens und auch seinen Mut & Verrücktheit. Ich musste lachen, als ich ihn kürzlich so 

in einem seiner Talks auftreten sah. 

Vielleicht magst du so wie ich selbst für ein paar Monate (oder länger: ich war bestimmt 5 Jahre dabei) bei  Homodea dabei sein. Schau dich um, der LifeCharger kostet dich nichts.

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Coronation – die Krönung

Hier kommt ein Essay von Charles Eisenstein – der längste, den ich je auf diesem Blog veröffentlicht habe. Übersetzt vom Programm DeepL und dann korrigierend gegengelesen. Umfassend, tief.

Die Krönung/Coronation

März 2020

Seit Jahren wird die Normalität fast bis zum Zerreißen gedehnt, ein Seil immer enger gespannt, um darauf zu warten, dass ein Schnipsel des schwarzen Schwanenschnabels es entzweibricht. Nun, da das Seil gerissen ist, binden wir seine Enden wieder zusammen, oder sollen wir seine baumelnden Zöpfe noch weiter aufbinden, um zu sehen, was wir daraus weben können?

Covid-19 zeigt uns, dass, wenn die Menschheit in einer gemeinsamen Sache vereint ist, ein phänomenal schneller Wandel möglich ist. Keines der Probleme der Welt ist technisch schwierig zu lösen; sie haben ihren Ursprung in der menschlichen Uneinigkeit. In der Kohärenz sind die schöpferischen Kräfte der Menschheit grenzenlos. Noch vor einigen Monaten wäre ein Vorschlag zur Einstellung des kommerziellen Flugverkehrs absurd erschienen. Gleiches gilt für die radikalen Veränderungen, die wir in unserem Sozialverhalten, in der Wirtschaft und in der Rolle der Regierung in unserem Leben vornehmen. Covid demonstriert die Kraft unseres kollektiven Willens, wenn wir uns auf das Wesentliche einigen. Was könnten wir sonst noch erreichen, wenn wir uns auf Kohärenz einigen? Was wollen wir erreichen, und welche Welt sollen wir schaffen? Das ist immer die nächste Frage, wenn jemand zu seiner Macht erwacht.

Covid-19 ist wie eine Reha-Intervention, die den süchtig machenden Griff nach der Normalität durchbricht. Eine Gewohnheit zu unterbrechen, bedeutet, sie sichtbar zu machen; es bedeutet, sie von einem Zwang zu einer Wahl zu machen. Wenn die Krise abklingt, haben wir vielleicht Gelegenheit, uns zu fragen, ob wir zur Normalität zurückkehren wollen, oder ob es etwas gibt, das wir während dieser Unterbrechung der Routinen gesehen haben, das wir in die Zukunft mitnehmen wollen. Nachdem so viele ihren Arbeitsplatz verloren haben, könnten wir uns fragen, ob es sich bei allen um die Arbeitsplätze handelt, die die Welt am meisten braucht, und ob unsere Arbeit und unsere Kreativität anderswo besser eingesetzt werden könnten. Wir könnten uns fragen, nachdem wir eine Zeitlang darauf verzichtet haben, ob wir wirklich so viele Flugreisen, Disneyworld-Urlaube oder Messen brauchen. Welche Teile der Wirtschaft werden wir wiederherstellen wollen, und welche Teile könnten wir loslassen? Und was von den Dingen, die uns jetzt weggenommen werden – bürgerliche Freiheiten, Versammlungsfreiheit, Souveränität über unseren Körper, persönliche Zusammenkünfte, Umarmungen, Händeschütteln und das öffentliche Leben – müssen wir vielleicht einen bewussten politischen und persönlichen Willen zur Wiederherstellung aufbringen?

Den größten Teil meines Lebens hatte ich das Gefühl, dass die Menschheit sich einem Scheideweg nähert. Immer stand die Krise, der Zusammenbruch, der Bruch unmittelbar bevor, gleich hinter der Kurve, aber sie kam nicht und kam nicht. Stellen Sie sich vor, Sie gehen eine Straße, und vor Ihnen sehen Sie sie, Sie sehen die Kreuzung. Sie ist gleich hinter dem Hügel, um die Kurve, am Wald vorbei. Als Sie den Hügel erklimmen, sehen Sie, dass Sie sich geirrt haben, es war eine Fata Morgana, sie war weiter weg, als Sie dachten. Sie gehen weiter. Manchmal kommt es in Sicht, manchmal verschwindet es aus dem Blickfeld und es scheint, dass dieser Weg ewig weitergeht. Vielleicht gibt es keine Kreuzung. Nein, da ist sie wieder! Immer ist sie fast hier. Niemals ist es hier.

Jetzt gehen wir plötzlich um eine Kurve herum und hier ist es. Wir halten an, kaum zu glauben, dass es jetzt passiert, kaum zu glauben, dass wir nach Jahren der Beschränkung auf die Straße unserer Vorgänger nun endlich eine Wahl haben. Wir halten zu Recht an, erstaunt über die Neuheit unserer Situation. Wegen der hundert Wege, die vor uns ausstrahlen, führen einige in dieselbe Richtung, in die wir bereits gegangen sind. Einige führen in die Hölle auf Erden. Und einige führen zu einer Welt, die heiler und schöner ist, als wir je zu glauben wagten.

Ich schreibe diese Worte mit dem Ziel, hier bei dir zu stehen – verwirrt, vielleicht verängstigt, aber auch mit dem Gefühl neuer Möglichkeiten – an diesem Punkt divergierender Wege. Lasst uns einige von ihnen betrachten und sehen, wohin sie führen.

Ich habe diese Geschichte letzte Woche von einem Freund gehört. Sie war in einem Lebensmittelladen und sah eine Frau im Gang schluchzend. Unter Missachtung der Regeln der sozialen Distanz ging sie zu der Frau und umarmte sie. “Danke”, sagte die Frau, “das ist das erste Mal seit zehn Tagen, dass mich jemand umarmt hat.

Ein paar Wochen ohne Umarmungen scheint ein kleiner Preis zu sein, wenn damit eine Epidemie eingedämmt werden soll, die Millionen von Menschenleben fordern könnte. Es gibt ein starkes Argument für eine soziale Distanzierung in der nahen Zukunft: um zu verhindern, dass ein plötzlicher Anstieg von Covid-Fällen das medizinische System überfordert. Ich möchte dieses Argument in einen größeren Zusammenhang stellen, vor allem, wenn wir auf die langfristige Perspektive blicken. Damit wir die Distanzierung nicht institutionalisieren und die Gesellschaft um sie herum umgestalten, sollten wir uns bewusst sein, welche Wahl wir treffen und warum.

Dasselbe gilt für die anderen Veränderungen, die sich rund um die Coronavirus-Epidemie ereignen. Einige Kommentatoren haben beobachtet, wie sie sich nahtlos in eine Agenda der totalitären Kontrolle einfügt. Eine verängstigte Öffentlichkeit akzeptiert Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten, die ansonsten schwer zu rechtfertigen sind, wie die ständige Überwachung der Bewegungen aller, die erzwungene medizinische Behandlung, die nicht freiwillige Quarantäne, Reise- und Versammlungs-beschränkungen, die Zensur dessen, was die Behörden als Desinformation betrachten, die Aussetzung des Habeas-Corpus und die Militärpolizeiliche Überwachung der Zivilbevölkerung. Viele dieser Maßnahmen waren bereits vor Covid-19 im Gange; seit seiner Einführung waren sie unwiderstehlich. Das Gleiche gilt für die Automatisierung des Handels, den Übergang von der Teilnahme an Sport und Unterhaltung zur Fernwahrnehmung, die Migration des Lebens aus dem öffentlichen in den privaten Raum, den Übergang von der ortsgebundenen Schule zur Online-Bildung, den Niedergang der stationären Geschäfte und die Verlagerung von menschlicher Arbeit und Freizeit auf Bildschirme. Covid-19 beschleunigt bereits existierende politische, wirtschaftliche und soziale Trends.

Während alle oben genannten Faktoren kurzfristig durch die Abflachung der Kurve (der epidemiologischen Wachstumskurve) gerechtfertigt sind, hören wir auch viel über ein “neues Normal”, d.h. die Veränderungen sind vielleicht gar nicht vorübergehend. Da die Bedrohung durch Infektionskrankheiten, wie auch die Bedrohung durch den Terrorismus, niemals verschwindet, können Kontrollmaßnahmen leicht zu einer dauerhaften Erscheinung werden. Wenn wir uns ohnehin in diese Richtung bewegen würden, muss die derzeitige Rechtfertigung Teil eines tieferen Impulses sein. Ich werde diesen Impuls in zwei Teilen analysieren: dem Reflex der Kontrolle und dem Krieg gegen den Tod. So verstanden, ergibt sich eine Initiationsmöglichkeit, die wir bereits in Form der Solidarität, des Mitgefühls und der Fürsorge sehen, die Covid-19 inspiriert hat.

Der Reflex der Kontrolle

Nach den derzeitigen Erkenntnissen der offiziellen Statistik sind etwa 25.000 Menschen an Covid-19 gestorben. Wenn es seinen Lauf nimmt, könnte die Zahl der Todesopfer zehn- oder hundertfach, oder sogar, wenn die alarmierendsten Vermutungen richtig sind, tausendmal größer sein. Jeder dieser Menschen hat Angehörige, Familie und Freunde. Mitgefühl und Gewissen fordern uns auf, alles zu tun, um unnötige Tragödien zu verhindern. Das ist für mich persönlich: Meine unendlich liebe, aber gebrechliche Mutter gehört zu den am meisten gefährdeten Menschen, die einer Krankheit ausgesetzt sind, an der vor allem alte und gebrechliche Menschen sterben.

Wie werden die endgültigen Zahlen aussehen? Diese Frage ist zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels unmöglich zu beantworten. Die ersten Berichte waren alarmierend; wochenlang lag die offizielle Zahl aus Wuhan, die endlos in den Medien verbreitet wurde, bei schockierenden 3,4%. Dies, zusammen mit der hohen Ansteckungsgefahr, deutete auf Dutzende von Millionen von Todesfällen weltweit hin, oder sogar auf bis zu 100 Millionen. In jüngster Zeit sind die Schätzungen stark gesunken, da sich herausgestellt hat, dass die meisten Fälle nur leicht oder asymptomatisch sind. Seitdem die Tests auf die Schwerkranken verzerrt wurden, sieht die Todesrate künstlich hoch aus. In Südkorea, wo Hunderttausende von Menschen mit leichten Symptomen getestet wurden, liegt die gemeldete Todesfallrate bei etwa 1%. In Deutschland, wo auch viele Menschen mit leichten Symptomen getestet werden, liegt die Sterblichkeitsrate bei 0,4%. In einer kürzlich in der Zeitschrift Science erschienenen Studie wird argumentiert, dass 86% der Infektionen nicht dokumentiert wurden, was auf eine wesentlich niedrigere Sterblichkeitsrate hindeutet, als es die aktuelle Todesfallrate vermuten lässt.

Die Geschichte des Kreuzfahrtschiffes Diamond Princess untermauert diese Ansicht. Von den 3.711 Menschen an Bord wurden etwa 20% positiv auf das Virus getestet; weniger als die Hälfte davon hatte Symptome, und acht sind gestorben. Ein Kreuzfahrtschiff ist ein perfekter Ort für eine Ansteckung, und es gab genügend Zeit, um das Virus an Bord zu verbreiten, bevor jemand etwas dagegen unternahm, doch nur ein Fünftel war infiziert. Außerdem war die Bevölkerung des Kreuzfahrtschiffes (wie die meisten Kreuzfahrtschiffe) stark auf ältere Menschen ausgerichtet: fast ein Drittel der Passagiere war über 70 Jahre alt, und mehr als die Hälfte war über 60 Jahre alt. Ein Forschungsteam schloss aus der großen Zahl asymptomatischer Fälle, dass die tatsächliche Sterblichkeitsrate in China bei etwa 0,5% liegt. Das ist immer noch fünfmal so hoch wie bei einer Grippe. Auf der Grundlage der obigen Zahlen (und unter Berücksichtigung der viel jüngeren Demographie in Afrika und Süd- und Südostasien) schätze ich die Zahl der Todesfälle in den USA auf etwa 200.000-300.000 – mehr, wenn das medizinische System überfordert ist, weniger, wenn die Infektionen sich über die Zeit ausbreiten – und auf 3 Millionen weltweit. Das sind ernste Zahlen. Seit der Hongkong-Grippe-Pandemie von 1968/9 hat die Welt so etwas nicht mehr erlebt.

Meine Vermutungen könnten leicht um eine Größenordnung daneben liegen. Jeden Tag berichten die Medien über die Gesamtzahl der Covid-19-Fälle, aber niemand hat eine Ahnung, wie hoch die tatsächliche Zahl ist, da nur ein winziger Teil der Bevölkerung getestet wurde. Wenn Zehnmillionen Menschen das Virus haben, dann wissen wir es asymptomatisch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass die hohe Rate falsch positiver Ergebnisse bei den bestehenden Tests möglicherweise bis zu 80% beträgt. (Und siehe hier für noch alarmierendere Unsicherheiten bezüglich der Testgenauigkeit.) Lassen Sie mich wiederholen: Niemand weiß, was wirklich passiert, auch ich nicht. Seien wir uns zwei widersprüchlicher Tendenzen in menschlichen Angelegenheiten bewusst. Die erste ist die Tendenz zur Hysterie, die sich von sich selbst nährt, Datenpunkte auszuschließen, die nicht in die Angst hineinspielen, und die Welt nach ihrem Bild zu gestalten. Die zweite ist die Verleugnung, die irrationale Ablehnung von Informationen, die die Normalität und den Komfort stören könnten. Wie Daniel Schmactenberger fragt: Woher weißt du, was du für wahr hältst?

Angesichts der Ungewissheit möchte ich eine Vorhersage treffen: Die Krise wird sich so entwickeln, dass wir es nie wissen werden. Wenn die endgültige Todesrate, die selbst Gegenstand von Streitigkeiten sein wird, geringer ausfallen wird als befürchtet, werden einige sagen, das liege daran, dass die Kontrollen funktioniert haben. Andere werden sagen, dass es daran liegt, dass die Krankheit nicht so gefährlich war, wie uns gesagt wurde.

Am rätselhaftesten ist für mich, warum es beim derzeitigen Stand der Dinge keine neuen Fälle in China zu geben scheint. Die Regierung hat erst weit nach der Entdeckung des Virus mit der Sperrung begonnen. Es hätte sich während des chinesischen Neujahrsfestes weit verbreiten müssen, wenn jedes Flugzeug, jeder Zug und jeder Bus voll mit Menschen ist, die durch das ganze Land reisen. Was geht hier vor sich? Auch hier weiß ich es nicht, und du weißt es auch nicht.

Ob sich die endgültige Zahl der Todesopfer weltweit auf 50.000, 500.000 oder 5 Millionen beläuft, lassen Sie uns einige andere Zahlen betrachten, um eine gewisse Perspektive zu erhalten. Mein Punkt ist NICHT, dass Covid nicht so schlimm ist und wir nichts tun sollten. Haben Sie Geduld mit mir. Laut FAO sind im vergangenen Jahr weltweit fünf Millionen Kinder an Hunger gestorben (unter 162 Millionen, die verkümmert sind, und 51 Millionen, die vergeudet werden). Das sind 200 Mal mehr Menschen als bisher bei Covid-19 gestorben sind, doch keine Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen oder verlangt, dass wir unsere Lebensweise radikal ändern, um sie zu retten. Auch sehen wir kein vergleichbares Ausmaß an Alarm und Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Selbstmord – der nur die Spitze eines Eisbergs der Verzweiflung und Depression ist -, der jährlich weltweit über eine Million Menschen und in den USA 50.000 Menschen tötet. Oder Drogenüberdosierungen, an denen in den USA 70.000 Menschen sterben, die Autoimmunitätsepidemie, von der 23,5 Millionen (NIH-Angaben) bis 50 Millionen (AARDA) betroffen sind, oder die Fettleibigkeit, von der weit über 100 Millionen Menschen betroffen sind. Warum sind wir eigentlich nicht in der Verzückung, ein nukleares Armageddon oder einen ökologischen Kollaps abzuwenden, sondern verfolgen im Gegenteil Entscheidungen, die genau diese Gefahren vergrößern?

 

Bitte, es geht hier nicht darum, dass wir unsere Art und Weise, Kinder vor dem Verhungern zu bewahren, nicht geändert haben, also sollten wir sie auch nicht für Covid ändern. Es ist das Gegenteil: Wenn wir für Covid-19 so radikal etwas ändern können, dann können wir es auch für diese anderen Zustände tun. Fragen wir uns, warum wir in der Lage sind, unseren kollektiven Willen zur Eindämmung dieses Virus zu vereinen, aber nicht, um anderen schwerwiegenden Bedrohungen der Menschheit zu begegnen. Warum ist die Gesellschaft bisher in ihrer bisherigen Entwicklung so eingefroren?

Die Antwort ist aufschlussreich. Angesichts von Hunger, Sucht, Autoimmunität, Selbstmord oder ökologischem Kollaps in der Welt wissen wir als Gesellschaft einfach nicht, was wir tun sollen. Unsere Krisenreaktionen, die allesamt eine Art von Kontrolle darstellen, sind nicht sehr effektiv, um diese Bedingungen zu bewältigen. Jetzt kommt eine ansteckende Epidemie, und endlich können wir in Aktion treten. Es ist eine Krise, bei der die Kontrolle funktioniert: Quarantäne, Abriegelung, Isolation, Händewaschen; Kontrolle der Bewegungen, Kontrolle der Informationen, Kontrolle unserer Körper. Das macht Covid zu einem bequemen Behälter für unsere unausgesprochenen Ängste, zu einem Ort, an dem wir unser wachsendes Gefühl der Hilflosigkeit angesichts der Veränderungen, die die Welt überrollen, kanalisieren können. Covid-19 ist eine Bedrohung, der wir zu begegnen wissen. Im Gegensatz zu so vielen unserer anderen Ängste bietet Covid-19 einen Plan.

Die etablierten Institutionen unserer Zivilisation sind den Herausforderungen unserer Zeit zunehmend hilflos ausgeliefert. Wie sehr sie eine Herausforderung begrüßen, der sie sich endlich stellen können. Wie sehr sie sich darauf freuen, sie als eine überragende Krise anzunehmen. Wie selbstverständlich ihre Systeme der Informationsverwaltung für die alarmierendsten Darstellungen dieser Krise ausgewählt werden. Wie leicht sich die Öffentlichkeit der Panik anschließt und eine Bedrohung annimmt, die die Behörden als Stellvertreter für die verschiedenen unaussprechlichen Bedrohungen bewältigen können, die sie nicht bewältigen können.

Welche Art von Problem erliegt der Herrschaft und Kontrolle? Die Art, die durch etwas von außen verursacht wird, etwas anderes. Wenn die Ursache des Problems etwas ist, das uns selbst nahe steht, wie Obdachlosigkeit oder Ungleichheit, Sucht oder Fettleibigkeit, gibt es nichts, wogegen man kämpfen könnte. Wir können versuchen, einen Feind zu installieren, indem wir zum Beispiel die Milliardäre, Wladimir Putin oder den Teufel beschuldigen, aber dann verpassen wir wichtige Informationen, wie zum Beispiel die Grundbedingungen, die es den Milliardäre (oder Viren) überhaupt erst ermöglichen, sich zu vermehren.

Wenn es eine Sache gibt, in der unsere Zivilisation gut ist, dann ist es der Kampf gegen einen Feind. Wir begrüßen Gelegenheiten, das zu tun, was wir gut können, die die Gültigkeit unserer Technologien, Systeme und unserer Weltsicht beweisen. Und so stellen wir Feinde her, gießen Probleme wie Kriminalität, Terrorismus und Krankheit in uns-gegen-die-Bezeichnungen und mobilisieren unsere kollektiven Energien für jene Bestrebungen, die so gesehen werden können. So betrachten wir Covid-19 als einen Aufruf zu den Waffen, indem wir die Gesellschaft wie für einen Krieg umorganisieren, während wir die Möglichkeit eines nuklearen Armageddons, eines ökologischen Zusammenbruchs und von fünf Millionen hungernden Kindern als normal behandeln.

Die Verschwörungserzählung

Da Covid-19 so viele Punkte auf der totalitären Wunschliste zu rechtfertigen scheint, gibt es diejenigen, die glauben, dass es sich um ein absichtliches Machtspiel handelt. Es ist nicht meine Absicht, diese Theorie voranzutreiben oder zu entlarven, obwohl ich einige Bemerkungen auf der Metaebene machen werde. Zunächst ein kurzer Überblick.

Die Theorien (es gibt viele Varianten) sprechen von Ereignis 201 (gesponsert von der Gates Foundation, der CIA usw. im vergangenen September) und einem Weißbuch der Rockefeller Foundation aus dem Jahr 2010, in dem ein Szenario namens “Lockstep” beschrieben wird, die beide die autoritäre Reaktion auf eine hypothetische Pandemie darlegen. Sie stellen fest, dass die Infrastruktur, die Technologie und der gesetzliche Rahmen für das Kriegsrecht seit vielen Jahren in Vorbereitung ist. Alles, was nötig war, sagen sie, war ein Weg, um die Öffentlichkeit dazu zu bringen, es anzunehmen, und das ist nun geschehen. Unabhängig davon, ob die derzeitigen Kontrollen dauerhaft sind oder nicht, wird ein Präzedenzfall geschaffen:

Die Verfolgung der Bewegungen von Menschen zu jeder Zeit ( aufgrund) des Coronavirus.

Die Aussetzung der Versammlungsfreiheit (wegen Coronavirus)

Die Militärpolizeiliche Überwachung der Zivilbevölkerung (wegen des Coronavirus)

Außergerichtliche, unbefristete Inhaftierung (Quarantäne, weil Coronavirus)

Das Verbot von Bargeld (wegen Coronavirus)

Zensur des Internets (zur Bekämpfung der Desinformation, da Coronavirus)

Zwangsimpfungen und andere medizinische Behandlungen, die die Souveränität des Staates über unseren Körper begründen (weil Coronavirus)

Die Einteilung aller Aktivitäten und Reiseziele in das ausdrücklich Erlaubte und das ausdrücklich Verbotene (dafür kann man sein Haus verlassen, aber nicht das), wobei die unkontrollierte, nicht juristische Grauzone beseitigt wird. Diese Totalität ist das Wesen des Totalitarismus schlechthin. Sie ist jetzt aber notwendig, denn, nun ja, Coronavirus.

Das ist ein interessantes Material für Verschwörungstheorien. Soweit ich weiß, könnte eine dieser Theorien wahr sein; allerdings könnte sich der gleiche Verlauf der Ereignisse von einer unbewussten systemischen Neigung zu immer stärkerer Kontrolle entfalten. Woher kommt diese Neigung? Sie ist in die DNA der Zivilisation eingewoben. Seit Jahrtausenden hat die Zivilisation (im Gegensatz zu traditionellen Kulturen im kleinen Maßstab) Fortschritt als eine Frage der Ausdehnung der Kontrolle auf die Welt verstanden: die Domestizierung der Wildnis, die Eroberung der Barbaren, die Beherrschung der Naturkräfte und die Ordnung der Gesellschaft nach Recht und Vernunft. Der Aufstieg der Kontrolle beschleunigte sich mit der Wissenschaftlichen Revolution, die den “Fortschritt” zu neuen Höhen führte: die Ordnung der Realität in objektive Kategorien und Mengen und die Beherrschung der Materialität durch Technologie. Schließlich versprachen die Sozialwissenschaften, die gleichen Mittel und Methoden einzusetzen, um das (auf Platon und Konfuzius zurückgehende) Bestreben zu erfüllen, eine perfekte Gesellschaft zu schaffen.

 

Diejenigen, die die Zivilisation verwalten, werden daher jede Gelegenheit begrüßen, ihre Kontrolle zu verstärken, denn schließlich steht sie im Dienst einer großen Vision des menschlichen Schicksals: der perfekt geordneten Welt, in der Krankheit, Verbrechen, Armut und vielleicht auch das Leiden selbst aus der Existenz heraus konstruiert werden können. Es sind keine ruchlosen Motive notwendig. Natürlich möchten sie den Überblick über alle behalten – umso besser, um das Gemeinwohl zu sichern. Für sie zeigt Covid-19, wie notwendig das ist. “Können wir uns angesichts des Coronavirus demokratische Freiheiten leisten?”, fragen sie. “Müssen wir diese jetzt aus der Not heraus für unsere eigene Sicherheit opfern?” Es ist ein bekannter Refrain, denn er hat in der Vergangenheit andere Krisen wie 9/11 begleitet.

Um eine gängige Metapher zu überarbeiten, stellen Sie sich einen Mann mit einem Hammer vor, der auf der Suche nach einem Grund für seine Verwendung herumschleicht. Plötzlich sieht er einen Nagel abstehen. Er hat lange nach einem Nagel gesucht, auf Schrauben und Bolzen gehämmert und nicht viel erreicht. Er lebt in einer Weltanschauung, in der der Hammer das beste Werkzeug ist, und die Welt kann durch das Einhämmern von Nägeln verbessert werden. Und hier ist ein Nagel! Man könnte vermuten, dass er in seinem Eifer den Nagel selbst dort platziert hat, aber das ist kaum von Bedeutung. Vielleicht ist es nicht einmal ein Nagel, der heraussteht, aber er ähnelt einem Nagel genug, um mit dem Schlagen zu beginnen. Wenn das Werkzeug bereit ist, wird sich eine Gelegenheit ergeben, es zu benutzen.

Und ich füge hinzu, für diejenigen, die dazu neigen, an den Behörden zu zweifeln, vielleicht ist es diesmal wirklich ein Nagel. In diesem Fall ist der Hammer das richtige Werkzeug – und das Prinzip des Hammers wird umso stärker hervortreten, je stärker er für die Schraube, den Knopf, die Klammer und den Riss bereit ist.

So oder so, das Problem, mit dem wir uns hier befassen, ist viel tiefer als das des Sturzes einer bösen Kaste der Illuminaten. Selbst wenn es sie gibt, würde angesichts der Neigung der Zivilisation die gleiche Tendenz ohne sie anhalten, oder es würde eine neue Illuminatengruppe entstehen, die die Funktionen der alten übernimmt.

Ob es stimmt oder nicht, die Vorstellung, dass die Epidemie eine monströse Verschwörung ist, die von Übeltätern auf die Öffentlichkeit ausgeübt wird, ist nicht so weit von der Denkweise entfernt, den Erreger zu finden. Es ist eine Kreuzzugsmentalität, eine Kriegsmentalität. Sie lokalisiert die Quelle einer gesellschaftspolitischen Krankheit in einem Erreger, gegen den wir dann kämpfen können, einem von uns selbst getrennten Opfer. Sie läuft Gefahr, die Bedingungen zu ignorieren, die die Gesellschaft zu einem fruchtbaren Boden für die Handlung machen. Ob dieser Boden absichtlich oder durch den Wind gesät wurde, ist für mich eine zweitrangige Frage.

Was ich als Nächstes sagen werde, ist relevant, ob Covid-19 eine gentechnisch veränderte Biowaffe ist, mit der 5G-Einführung zusammenhängt, zur Verhinderung einer “Enthüllung” verwendet wird, ein Trojanisches Pferd für eine totalitäre Weltregierung ist, tödlicher ist, als uns gesagt wurde, weniger tödlich ist, als uns gesagt wurde, aus einem Biolabor in Wuhan stammt, in Fort Detrick entstand oder genau so ist, wie es uns die CDC und die WHO gesagt haben. Es gilt auch dann, wenn sich alle über die Rolle des SARS-CoV-2-Virus in der gegenwärtigen Epidemie völlig irren. Ich habe meine Meinung, aber wenn ich eines im Laufe dieses Notfalls gelernt habe, dann, dass ich nicht wirklich weiß, was passiert. Ich verstehe nicht, wie jemand inmitten des brodelnden Durcheinanders von Nachrichten, gefälschten Nachrichten, Gerüchten, unterdrückten Informationen, Verschwörungstheorien, Propaganda und politisierten Erzählungen, die das Internet füllen, etwas tun kann. Ich wünschte, viel mehr Menschen würden es begrüßen, wenn sie es nicht wissen. Das sage ich sowohl denen, die sich die dominante Erzählung zu eigen machen, als auch denen, die sich an abweichende Erzählungen klammern. Welche Informationen könnten wir ausblenden, um die Integrität unserer Standpunkte zu wahren? Seien wir bescheiden in unseren Überzeugungen: Es geht um Leben und Tod.

 

Der Krieg gegen den Tod

Mein 7-jähriger Sohn hat seit zwei Wochen kein anderes Kind mehr gesehen oder mit ihm gespielt. Millionen andere sitzen im selben Boot. Die meisten würden zustimmen, dass ein Monat ohne soziale Interaktion für all diese Kinder ein angemessenes Opfer ist, um eine Million Leben zu retten. Aber wie wäre es, 100.000 Leben zu retten? Und was, wenn das Opfer nicht für einen Monat, sondern für ein Jahr gilt? sondern für ein Jahr? Fünf Jahre? Unterschiedliche Menschen werden je nach den ihnen zugrunde liegenden Werten unterschiedliche Meinungen dazu haben.

Lasst uns die vorstehenden Fragen durch etwas Persönlicheres ersetzen, das das unmenschliche, utilitaristische Denken durchdringt, das Menschen in Statistiken verwandelt und einige von ihnen für etwas anderes opfert. Die für mich relevante Frage lautet: Würde ich alle Kinder der Nation bitten, für eine Saison auf das Spiel zu verzichten, wenn dadurch das Risiko meiner Mutter, zu sterben, oder übrigens auch mein eigenes Risiko verringert würde? Oder ich könnte fragen: Würde ich das Ende der menschlichen Umarmungen und Händeschütteln anordnen, wenn es mein eigenes Leben retten würde? Es geht nicht darum, Mamas Leben oder mein eigenes Leben, die beide wertvoll sind, abzuwerten. Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem sie noch bei uns ist. Aber diese Fragen werfen tiefe Fragen auf. Was ist die richtige Art zu leben? Was ist die richtige Art zu sterben?

 

Die Antwort auf solche Fragen, ob sie im eigenen Namen oder im Namen der Gesellschaft insgesamt gestellt werden, hängt davon ab, wie wir den Tod empfinden und wie sehr wir das Spiel, die Berührung und das Miteinander schätzen, zusammen mit den bürgerlichen Freiheiten und der persönlichen Freiheit. Es gibt keine einfache Formel, um diese Werte auszugleichen.

Im Laufe meines Lebens habe ich erlebt, dass die Gesellschaft immer mehr Wert auf Sicherheit und Risikominderung legt. Das hat sich besonders auf die Kindheit ausgewirkt: Als kleiner Junge war es für uns normal, unbeaufsichtigt eine Meile von zu Hause wegzugehen – ein Verhalten, das den Eltern heute einen Besuch des Kinderschutzes einbringen würde. Es äußert sich auch in Form von Latexhandschuhen für immer mehr Berufe; überall sind Handdesinfektionsmittel im Einsatz; verschlossene, bewachte und überwachte Schulgebäude; verschärfte Flughafen- und Grenzsicherheit; erhöhtes Bewusstsein für gesetzliche Haftpflicht und Haftpflichtversicherung; Metalldetektoren und Durchsuchungen vor dem Betreten vieler Sportstätten und öffentlicher Gebäude und so weiter. Wenn man groß schreibt, nimmt es die Form des Sicherheitsstaates an.

 

Das Mantra “Sicherheit geht vor” kommt von einem Wertesystem, das das Überleben zur obersten Priorität macht und andere Werte wie Spaß, Abenteuer, Spiel und das Infragestellen von Grenzen herabsetzt. Andere Kulturen hatten andere Prioritäten. So sind viele traditionelle und indigene Kulturen beispielsweise viel weniger kinderfreundlich, wie in Jean Liedloffs Klassiker “Das Kontinuum-Konzept” dokumentiert ist. Sie erlauben ihnen Risiken und Verantwortlichkeiten, die den meisten modernen Menschen wahnsinnig erscheinen würden, da sie glauben, dass dies für Kinder notwendig ist, um Selbstvertrauen und ein gutes Urteilsvermögen zu entwickeln. Ich denke, die meisten modernen Menschen, insbesondere die jüngeren, behalten einen Teil dieser angeborenen Bereitschaft, Sicherheit zu opfern, um ein vollwertiges Leben zu führen. Die uns umgebende Kultur lobbyiert jedoch unerbittlich, um in Angst zu leben, und hat Systeme konstruiert, die Angst verkörpern. In ihnen ist es von überragender Bedeutung, sicher zu bleiben. So haben wir ein medizinisches System, in dem die meisten Entscheidungen auf Risikoberechnungen beruhen und in dem das schlimmstmögliche Ergebnis, das den endgültigen Misserfolg des Arztes kennzeichnet, der Tod ist. Und doch wissen wir die ganze Zeit, dass der Tod ungeachtet dessen auf uns wartet. Ein gerettetes Leben bedeutet eigentlich einen aufgeschobenen Tod.

Die letztendliche Erfüllung des Kontrollprogramms der Zivilisation wäre der Triumph über den Tod selbst. Wenn das nicht gelingt, begnügt sich die moderne Gesellschaft mit einem Faksimile dieses Triumphes: Verleugnung statt Eroberung. Unsere Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Todesverleugnung, von ihrem Verstecken von Leichen über ihren Fetisch für Jugendlichkeit bis hin zur Lagerung alter Menschen in Pflegeheimen. Sogar ihre Besessenheit von Geld und Eigentum – Erweiterungen des Selbst, wie das Wort “mein” andeutet – drückt die Illusion aus, dass das vergängliche Selbst durch seine Bindungen dauerhaft gemacht werden kann. All dies ist unvermeidlich angesichts der Selbstgeschichte, die die Moderne bietet: das getrennte Individuum in einer Welt des Anderen. Umgeben von genetischen, sozialen und wirtschaftlichen Konkurrenten muss dieses Selbst schützen und dominieren, um zu gedeihen. Es muss alles tun, um den Tod zu verhindern, der (in der Geschichte der Trennung) die totale Vernichtung bedeutet. Die biologische Wissenschaft hat uns sogar gelehrt, dass es in unserer Natur liegt, unsere Überlebens- und Reproduktionschancen zu maximieren.

Ich habe einen Freund, einen Arzt, der Zeit mit den Q’ero in Peru verbracht hat, gefragt, ob die Q’ero jemanden intubieren würden (wenn sie es könnten), um sein Leben zu verlängern. “Natürlich nicht”, sagte sie. “Sie würden den Schamanen herbeirufen, um ihm zu helfen, gut zu sterben.” Gut zu sterben (was nicht unbedingt dasselbe ist wie schmerzlos zu sterben) ist nicht viel im heutigen medizinischen Vokabular. Es werden keine Krankenhausaufzeichnungen darüber geführt, ob Patienten gut sterben. Das würde nicht als positives Ergebnis gewertet werden. In der Welt des getrennten Ichs ist der Tod die ultimative Katastrophe.

Aber ist es das? Betrachten Sie diese Perspektive von Dr. Lissa Rankin: “Nicht alle von uns würden auf einer Intensivstation sein wollen, isoliert von ihren Lieben mit einer Maschine, die für uns atmet, in der Gefahr, allein zu sterben – selbst wenn das bedeutet, dass sie ihre Überlebenschancen erhöhen könnten. Einige von uns würden vielleicht lieber in den Armen ihrer Lieben zu Hause gehalten werden, selbst wenn das bedeutet, dass unsere Zeit gekommen ist… Denken Sie daran, der Tod ist kein Ende. Der Tod ist die Heimkehr.”

Wenn das Selbst als relational, interdependent, ja sogar interexistent verstanden wird, dann blutet es in den anderen über, und der andere blutet in das Selbst über. Wenn man das Selbst als einen Ort des Bewusstseins in einer Beziehungsmatrix versteht, sucht man nicht mehr nach einem Feind als Schlüssel zum Verständnis jedes Problems, sondern sucht stattdessen nach Ungleichgewichten in den Beziehungen. Der Krieg gegen den Tod weicht dem Streben nach einem guten und vollständigen Leben, und wir sehen, dass die Angst vor dem Tod eigentlich die Angst vor dem Leben ist. Auf wie viel Leben werden wir verzichten, um sicher zu bleiben?

Totalitarismus – die Perfektion der Kontrolle – ist das unvermeidliche Endprodukt der Mythologie des getrennten Selbst. Was sonst als eine Bedrohung des Lebens, wie ein Krieg, würde eine totale Kontrolle verdienen? So identifizierte Orwell den immerwährenden Krieg als eine entscheidende Komponente der Herrschaft der Partei.

Vor dem Hintergrund des Programms der Kontrolle, der Verleugnung des Todes und des getrennten Selbst steht die Annahme, dass die öffentliche Politik versuchen sollte, die Zahl der Todesopfer zu minimieren, fast außer Frage, ein Ziel, dem andere Werte wie Spiel, Freiheit usw. untergeordnet sind. Covid-19 bietet Gelegenheit, diese Sichtweise zu erweitern. Ja, halten wir das Leben für heilig, heiliger denn je. Der Tod lehrt uns das. Halten wir jeden Menschen, ob jung oder alt, ob krank oder gesund, für das heilige, kostbare, geliebte Wesen, das er ist. Und im Kreis unserer Herzen lasst uns Platz machen für andere heilige Werte. Das Leben heilig zu halten bedeutet nicht nur, lange zu leben, sondern auch gut und richtig und in vollem Umfang zu leben.

Wie jede Angst deutet auch die Angst um das Coronavirus an, was jenseits davon liegen könnte. Jeder, der das Hinscheiden eines nahen Angehörigen erlebt hat, weiß, dass der Tod ein Portal der Liebe ist. Covid-19 hat den Tod im Bewusstsein einer Gesellschaft, die ihn verleugnet, in den Vordergrund gerückt. Auf der anderen Seite der Angst können wir die Liebe sehen, die der Tod befreit. Lasst sie sich ausgießen. Lasst ihn den Boden unserer Kultur sättigen und seine Grundwasserleiter füllen, damit er durch die Risse unserer verkrusteten Institutionen, unserer Systeme und unserer Gewohnheiten versickert. Einige von ihnen mögen ebenfalls sterben.

In welcher Welt sollen wir leben?

Wie viel vom Leben wollen wir auf dem Altar der Sicherheit opfern? Wenn es uns sicherer macht, wollen wir dann in einer Welt leben, in der sich die Menschen nie versammeln? Wollen wir in der Öffentlichkeit ständig Masken tragen? Wollen wir uns bei jeder Reise medizinisch untersuchen lassen, wenn dadurch jedes Jahr eine gewisse Anzahl von Leben gerettet werden kann? Sind wir bereit, die Medizinisierung des Lebens im Allgemeinen zu akzeptieren, indem wir die endgültige Souveränität über unseren Körper an medizinische Autoritäten (wie von politischen Autoritäten ausgewählt) abgeben? Wollen wir, dass jedes Ereignis ein virtuelles Ereignis ist? Wie sehr sind wir bereit, in Angst zu leben?

Covid-19 wird irgendwann nachlassen, aber die Bedrohung durch Infektionskrankheiten ist permanent. Unsere Reaktion darauf stellt die Weichen für die Zukunft. Das öffentliche Leben, das Gemeinschaftsleben, das Leben der gemeinsamen Körperlichkeit ist über mehrere Generationen hinweg geschrumpft. Anstatt in Geschäften einzukaufen, lassen wir uns Dinge nach Hause liefern. Statt mit Rucksäcken von Kindern draußen zu spielen, haben wir Spielverabredungen und digitale Abenteuer. Statt des öffentlichen Platzes haben wir das Online-Forum. Wollen wir uns noch weiter voneinander und von der Welt abschotten?

Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, insbesondere wenn die soziale Distanzierung erfolgreich ist, dass Covid-19 über die 18 Monate hinaus, die wir für seinen Verlauf erwarten sollen, bestehen bleibt. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass in dieser Zeit neue Viren auftauchen werden. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass Notfallmaßnahmen normal werden (um die Möglichkeit eines weiteren Ausbruchs zu verhindern), so wie der nach 9/11 ausgerufene Ausnahmezustand auch heute noch in Kraft ist. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass (wie uns gesagt wird) eine Reinfektion möglich ist, so dass die Krankheit niemals ihren Lauf nehmen wird. Das bedeutet, dass die vorübergehenden Veränderungen in unserer Lebensweise möglicherweise dauerhaft werden.

Sollen wir uns, um das Risiko einer weiteren Pandemie zu verringern, dafür entscheiden, in einer Gesellschaft ohne Umarmungen, Händedruck und High-Fives zu leben, für immer mehr? Sollen wir uns dafür entscheiden, in einer Gesellschaft zu leben, in der wir uns nicht mehr massenhaft sammeln? Sollen das Konzert, der Sportwettbewerb und das Festival der Vergangenheit angehören? Sollen Kinder nicht mehr mit anderen Kindern spielen? Sollen alle menschlichen Kontakte durch Computer und Masken vermittelt werden? Keine Tanzkurse, keine Karatekurse, keine Konferenzen, keine Kirchen mehr? Soll die Reduzierung der Todesfälle der Maßstab sein, an dem der Fortschritt gemessen wird? Bedeutet menschlicher Fortschritt Trennung? Ist dies die Zukunft?

Die gleiche Frage gilt für die administrativen Instrumente, die zur Kontrolle der Personenbewegungen und des Informationsflusses erforderlich sind. Im Moment wird das ganze Land auf eine Abriegelung hingearbeitet. In einigen Ländern muss man ein Formular von einer Regierungswebsite ausdrucken, um das Haus zu verlassen. Das erinnert mich an die Schule, in der man sich jederzeit an seinem Standort autorisieren lassen muss. Oder an das Gefängnis. Stellen wir uns eine Zukunft mit elektronischen Ausweisen vor, ein System, bei dem die Bewegungsfreiheit jederzeit und dauerhaft von den staatlichen Verwaltern und ihrer Software geregelt wird? Wo jede Bewegung verfolgt wird, entweder erlaubt oder verboten? Und, zu unserem Schutz, wo Informationen, die unsere Gesundheit bedrohen (wie wiederum von verschiedenen Behörden beschlossen), zu unserem eigenen Wohl zensiert werden? In einem Notfall, wie einem Kriegszustand, akzeptieren wir solche Einschränkungen und geben unsere Freiheiten vorübergehend auf. Ähnlich wie bei 9/11 übertrifft Covid-19 alle Einwände.

Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es die technologischen Mittel, um eine solche Vision zu verwirklichen, zumindest in der entwickelten Welt (z.B. die Nutzung von Handy-Standortdaten zur Durchsetzung sozialer Distanzierung; siehe auch hier). Nach einem holprigen Übergang könnten wir in einer Gesellschaft leben, in der sich fast das gesamte Leben online abspielt: Einkaufen, Treffen, Unterhaltung, Geselligkeit, Arbeit, sogar Verabredungen. Ist es das, was wir wollen? Wie viele gerettete Leben ist das wert?

Ich bin sicher, dass viele der heute geltenden Kontrollen in einigen Monaten teilweise gelockert werden. Teilweise gelockert, aber in Bereitschaft. Solange die Infektionskrankheit bei uns bleibt, werden sie in Zukunft wahrscheinlich immer wieder neu eingeführt werden oder sich selbst in Form von Gewohnheiten auferlegt werden. Wie Deborah Tannen in ihrem Beitrag zu einem Artikel im Politico darüber, wie das Coronavirus die Welt dauerhaft verändern wird, sagt: “Wir wissen jetzt, dass es riskant sein kann, Dinge zu berühren, mit anderen Menschen zusammen zu sein und die Luft in einem geschlossenen Raum zu atmen…. Es könnte zur zweiten Natur werden, vor dem Händeschütteln oder der Berührung unseres Gesichts zurückzuschrecken – und wir könnten alle zu Erben der gesellschaftsweiten Zwangsstörung werden, da keiner von uns aufhören kann, sich die Hände zu waschen. Ist es nach Tausenden von Jahren, Millionen von Jahren der Berührung, des Kontakts und des Zusammenseins der Höhepunkt des menschlichen Fortschritts, dass wir solche Aktivitäten einstellen, weil sie zu riskant sind?

 

Leben ist Gemeinschaft

Das Paradoxe am Programm der Kontrolle ist, dass sein Fortschritt uns selten seinem Ziel näher bringt. Trotz der Sicherheitssysteme in fast jedem Haus der oberen Mittelschicht sind die Menschen nicht weniger ängstlich oder unsicher als noch vor einer Generation. Trotz ausgeklügelter Sicherheitsvorkehrungen kommt es in den Schulen nicht zu weniger Massenerschießungen. Trotz phänomenaler Fortschritte in der Medizintechnik sind die Menschen in den letzten dreißig Jahren eher weniger gesund geworden, da sich chronische Krankheiten ausgebreitet haben und die Lebenserwartung stagniert und in den USA und Großbritannien zu sinken begann.

Auch die Maßnahmen, die zur Kontrolle von Covid-19 eingeführt werden, könnten am Ende mehr Leid und Tod verursachen, als sie verhindern. Die Minimierung der Todesfälle bedeutet eine Minimierung der Todesfälle, die wir vorhersagen und messen können. Es ist unmöglich, die zusätzlichen Todesfälle zu messen, die zum Beispiel durch isolierungsbedingte Depressionen oder die durch Arbeitslosigkeit verursachte Verzweiflung oder die verringerte Immunität und die Verschlechterung des Gesundheitszustandes, die durch chronische Angst verursacht werden können, entstehen können. Es hat sich gezeigt, dass Einsamkeit und mangelnde soziale Kontakte Entzündungen, Depressionen und Demenz verstärken. Laut Dr. Lissa Rankin erhöht die Luftverschmutzung das Risiko zu sterben um 6%, Fettleibigkeit um 23%, Alkoholmissbrauch um 37% und Einsamkeit um 45%.

Eine weitere Gefahr, die nicht in den Büchern steht, ist die Verschlechterung der Immunität, die durch übermäßige Hygiene und Distanzierung verursacht wird. Für die Gesundheit ist nicht nur der soziale Kontakt notwendig, sondern auch der Kontakt mit der mikrobiellen Welt. Im Allgemeinen sind die Mikroben nicht unsere Feinde, sondern unsere Verbündeten in der Gesundheit. Ein vielfältiges Darmbiom, das Bakterien, Viren, Hefen und andere Organismen umfasst, ist für ein gut funktionierendes Immunsystem unerlässlich, und seine Vielfalt wird durch den Kontakt mit anderen Menschen und mit der Welt des Lebens aufrechterhalten. Übermäßiges Waschen der Hände, übermäßiger Gebrauch von Antibiotika, aseptische Sauberkeit und mangelnder menschlicher Kontakt können mehr schaden als nützen. Die daraus resultierenden Allergien und Autoimmunerkrankungen können schlimmer sein als die Infektionskrankheit, die sie ersetzen. Sozial und biologisch gesehen kommt Gesundheit von der Gemeinschaft. Das Leben gedeiht nicht in der Isolation.

Wenn man die Welt in uns – im Gegensatz zu ihnen – sieht, wird man blind für die Realität, dass Leben und Gesundheit in der Gemeinschaft stattfinden. Am Beispiel der Infektionskrankheiten versäumen wir es, über den bösen Erreger hinauszuschauen und zu fragen: Welche Rolle spielen Viren im Mikrobiom? (Siehe auch hier.) Unter welchen Bedingungen vermehren sich schädliche Viren im Körper? Warum haben manche Menschen leichte und andere schwere Symptome (neben der Nicht-Erklärung der “geringen Resistenz”)? Welche positive Rolle könnten Fluss- und Erkältungskrankheiten und andere nicht tödliche Krankheiten für die Erhaltung der Gesundheit spielen?

Das Denken des Krieges gegen die Krankheit bringt ähnliche Ergebnisse wie der Krieg gegen den Terror, der Krieg gegen die Kriminalität, der Krieg gegen das Unkraut und die endlosen Kriege, die wir politisch und zwischen den Menschen führen. Erstens erzeugt es endlose Kriege; zweitens lenkt es die Aufmerksamkeit von den Bodenbedingungen ab, die Krankheiten, Terrorismus, Kriminalität, Unkraut und den Rest hervorbringen.

Trotz der ständigen Behauptung von Politikern, dass sie den Krieg um des Friedens willen führen, führt Krieg unweigerlich zu mehr Krieg. Die Bombardierung von Ländern, um Terroristen zu töten, ignoriert nicht nur die Bodenbedingungen des Terrorismus, sondern verschärft diese Bedingungen noch. Das Einsperren von Kriminellen ignoriert nicht nur die Bedingungen, die das Verbrechen hervorbringen, sondern schafft diese Bedingungen, wenn es Familien und Gemeinschaften auseinanderreißt und die Inhaftierten an die Kriminalität akkulturiert. Und Regimes mit Antibiotika, Impfstoffen, Virostatika und anderen Medikamenten richten verheerende Schäden an der Körperökologie an, die die Grundlage einer starken Immunität bildet. Außerhalb des Körpers werden die massiven Sprühkampagnen, die von Zika, Dengue-Fieber und nun auch von Covid-19 ausgelöst wurden, der Ökologie der Natur unermessliche Schäden zufügen. Hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, welche Auswirkungen auf das Ökosystem haben wird, wenn wir es mit antiviralen Verbindungen übergießen? Eine solche Politik (die an verschiedenen Orten in China und Indien umgesetzt wurde) ist nur denkbar, wenn man sich auf eine Trennung konzentriert, die nicht versteht, dass Viren ein integraler Bestandteil des Lebensnetzes sind.

Um den Punkt über die Grundbedingungen zu verstehen, betrachten Sie einige Sterblichkeitsstatistiken aus Italien (von seinem nationalen Gesundheitsinstitut), die auf einer Analyse von Hunderten von Covid-19-Todesfällen basieren. Von den analysierten Personen waren weniger als 1% frei von ernsthaften chronischen Gesundheitszuständen. Etwa 75% litten an Bluthochdruck, 35% an Diabetes, 33% an Herzischämie, 24% an Vorhofflimmern, 18% an einer niedrigen Nierenfunktion, zusammen mit anderen Erkrankungen, die ich aus dem italienischen Bericht nicht entziffern konnte. Fast die Hälfte der Verstorbenen hatte drei oder mehr dieser ernsten Pathologien. Amerikaner, die von Fettleibigkeit, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten geplagt sind, sind mindestens genauso anfällig wie Italiener. Sollten wir dann dem Virus die Schuld geben (das nur wenige ansonsten gesunde Menschen getötet hat), oder sollten wir die Schuld für den zugrunde liegenden schlechten Gesundheitszustand geben? Auch hier gilt wieder die Analogie des gespannten Seils. Millionen von Menschen in der modernen Welt befinden sich in einem prekären Gesundheitszustand und warten nur darauf, dass etwas, das normalerweise trivial wäre, sie über die Kante schickt. Natürlich wollen wir kurzfristig ihr Leben retten; die Gefahr besteht darin, dass wir uns in einer endlosen Abfolge von kurzen Zeiträumen verlieren, indem wir eine Infektionskrankheit nach der anderen bekämpfen und uns nie mit den Bodenbedingungen befassen, die die Menschen so verletzlich machen. Das ist ein weitaus schwierigeres Problem, denn diese Bodenbedingungen werden sich nicht durch Kämpfe ändern. Es gibt keinen Erreger, der Diabetes oder Fettleibigkeit, Sucht, Depressionen oder PTSD verursacht. Ihre Ursachen sind nicht ein anderer, nicht irgendein Virus, das von uns selbst und von uns selbst getrennt ist, und wir sind seine Opfer.

Selbst bei Krankheiten wie Covid-19, bei denen wir ein pathogenes Virus nennen können, ist die Sache nicht so einfach wie ein Krieg zwischen Virus und Opfer. Es gibt eine Alternative zur Keimtheorie der Krankheit, die Keime als Teil eines größeren Prozesses betrachtet. Wenn die Bedingungen stimmen, vermehren sie sich im Körper, wobei sie manchmal den Wirt töten, aber möglicherweise auch die Bedingungen verbessern, unter denen sie sich anfangs angesammelt haben, z.B. indem sie die angesammelten toxischen Ablagerungen durch Schleimaustritt beseitigen oder (metaphorisch gesprochen) mit Fieber verbrennen. Die manchmal als “Terrain-Theorie” bezeichnete Theorie besagt, dass Keime eher ein Symptom als eine Krankheitsursache sind. Wie ein Mem es erklärt: “Ihr Fisch ist krank. Keimtheorie: isolieren Sie den Fisch. Gelände-Theorie: Reinigen Sie das Becken.”

Eine gewisse Schizophrenie befällt die moderne Gesundheitskultur. Auf der einen Seite gibt es eine aufkeimende Wellness-Bewegung, die sich der alternativen und ganzheitlichen Medizin verschrieben hat. Sie befürwortet Kräuter, Meditation und Yoga, um die Immunität zu stärken. Sie validiert die emotionale und spirituelle Dimension der Gesundheit, wie z.B. die Kraft von Einstellungen und Überzeugungen, um zu erkranken oder zu heilen. All dies scheint unter dem Covid-Tsunami verschwunden zu sein, da die Gesellschaft der alten Orthodoxie verfällt.

Ein typisches Beispiel: Kalifornische Akupunkteure wurden gezwungen, ihre Tätigkeit einzustellen, da sie als “nicht notwendig” eingestuft wurden. Dies ist aus der Perspektive der konventionellen Virologie durchaus verständlich. Aber wie ein Akupunkteur auf Facebook bemerkte: “Was ist mit meinem Patienten, mit dem ich zusammenarbeite, um von den Opioiden gegen seine Rückenschmerzen loszukommen? Er wird sie wieder verwenden müssen.” Aus der Weltanschauung der medizinischen Autorität sind alternative Modalitäten, soziale Interaktion, Yoga-Kurse, Nahrungsergänzungsmittel und so weiter leichtfertig, wenn es um echte Krankheiten geht, die durch echte Viren verursacht werden. Sie werden angesichts einer Krise in einen ätherischen Bereich des “Wohlbefindens” verbannt. Das Wiederaufleben der Orthodoxie unter Covid-19 ist so intensiv, dass alles, was auch nur im Entferntesten unkonventionell ist, wie intravenöses Vitamin C, in den Vereinigten Staaten bis vor zwei Tagen völlig vom Tisch war (es gibt immer noch zahlreiche Artikel, die den “Mythos” entlarven, dass Vitamin C zur Bekämpfung von Covid-19 beitragen kann). Ich habe auch nicht gehört, dass die CDC die Vorteile von Holunderbeerextrakt, Heilpilzen, der Reduzierung der Zuckerzufuhr, NAC (N-Acetyl-L-Cystein), Astragalus oder Vitamin D evangelisiert hat. Dies sind nicht nur breiartige Spekulationen über “Wellness”, sondern werden durch umfangreiche Forschung und physiologische Erklärungen unterstützt. Zum Beispiel hat sich gezeigt, dass NAK (allgemeine Informationen, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie) die Inzidenz und den Schweregrad der Symptome bei grippeähnlichen Erkrankungen radikal reduziert.

Auch die Maßnahmen, die zur Kontrolle von Covid-19 eingeführt werden, könnten am Ende mehr Leid und Tod verursachen, als sie verhindern. Die Minimierung der Todesfälle bedeutet die Minimierung der Todesfälle, von denen wir wissen, wie wir sie vorhersagen und messen können. Es ist unmöglich, die zusätzlichen Todesfälle zu messen, die zum Beispiel durch isolierungsbedingte Depressionen oder die durch Arbeitslosigkeit verursachte Verzweiflung oder die verringerte Immunität und die Verschlechterung des Gesundheitszustandes, die durch chronische Angst verursacht werden können, entstehen können. Es hat sich gezeigt, dass Einsamkeit und mangelnde soziale Kontakte Entzündungen, Depressionen und Demenz verstärken. Laut Dr. Lissa Rankin erhöht die Luftverschmutzung das Risiko zu sterben um 6%, Fettleibigkeit um 23%, Alkoholmissbrauch um 37% und Einsamkeit um 45%.

Eine weitere Gefahr, die nicht in den Büchern steht, ist die Verschlechterung der Immunität, die durch übermäßige Hygiene und Distanzierung verursacht wird. Für die Gesundheit ist nicht nur der soziale Kontakt notwendig, sondern auch der Kontakt mit der mikrobiellen Welt. Im Allgemeinen sind die Mikroben nicht unsere Feinde, sondern unsere Verbündeten in der Gesundheit. Ein vielfältiges Darmbiom, das Bakterien, Viren, Hefen und andere Organismen umfasst, ist für ein gut funktionierendes Immunsystem unerlässlich, und seine Vielfalt wird durch den Kontakt mit anderen Menschen und mit der Welt des Lebens aufrechterhalten. Übermäßiges Waschen der Hände, übermäßiger Gebrauch von Antibiotika, aseptische Sauberkeit und mangelnder menschlicher Kontakt können mehr schaden als nützen. Die daraus resultierenden Allergien und Autoimmunerkrankungen können schlimmer sein als die Infektionskrankheit, die sie ersetzen. Sozial und biologisch gesehen kommt Gesundheit von der Gemeinschaft. Das Leben gedeiht nicht in der Isolation.

 

Wenn man die Welt in uns – im Gegensatz zu ihnen – sieht, wird man blind für die Realität, dass Leben und Gesundheit in der Gemeinschaft stattfinden. Am Beispiel der Infektionskrankheiten versäumen wir es, über den bösen Erreger hinauszuschauen und zu fragen: Welche Rolle spielen Viren im Mikrobiom? (Siehe auch hier.) Unter welchen Bedingungen vermehren sich schädliche Viren im Körper? Warum haben einige Menschen leichte und andere schwere Symptome (neben der Nicht-Erklärung der “geringen Resistenz”)? Welche positive Rolle könnten Fluss- und Erkältungskrankheiten und andere nicht tödliche Krankheiten für die Erhaltung der Gesundheit spielen?

Das Denken des Krieges gegen die Krankheit bringt ähnliche Ergebnisse wie der Krieg gegen den Terror, der Krieg gegen die Kriminalität, der Krieg gegen das Unkraut und die endlosen Kriege, die wir politisch und zwischen den Menschen führen. Erstens erzeugt es endlose Kriege; zweitens lenkt es die Aufmerksamkeit von den Bodenbedingungen ab, die Krankheiten, Terrorismus, Kriminalität, Unkraut und den Rest hervorbringen.

Trotz der ständigen Behauptung von Politikern, dass sie den Krieg um des Friedens willen führen, führt Krieg unweigerlich zu mehr Krieg. Die Bombardierung von Ländern zur Tötung von Terroristen ignoriert nicht nur die Bodenbedingungen des Terrorismus, sondern verschärft diese Bedingungen noch. Das Einsperren von Kriminellen ignoriert nicht nur die Bedingungen, die das Verbrechen hervorbringen, sondern schafft diese Bedingungen, wenn es Familien und Gemeinschaften auseinanderreißt und die Inhaftierten an die Kriminalität akkulturiert. Und Regimes mit Antibiotika, Impfstoffen, Virostatika und anderen Medikamenten richten verheerende Schäden an der Körperökologie an, die die Grundlage einer starken Immunität bildet. Außerhalb des Körpers werden die massiven Sprühkampagnen, die von Zika, Dengue-Fieber und nun auch von Covid-19 ausgelöst wurden, der Ökologie der Natur unermessliche Schäden zufügen. Hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, welche Auswirkungen auf das Ökosystem haben wird, wenn wir es mit antiviralen Verbindungen übergießen? Eine solche Politik (die an verschiedenen Orten in China und Indien umgesetzt wurde) ist nur denkbar, wenn man sich auf eine Trennung konzentriert, die nicht versteht, dass Viren ein integraler Bestandteil des Lebensgefüges sind.

Um den Punkt über die Bodenbedingungen zu verstehen, betrachten Sie einige Sterblichkeitsstatistiken aus Italien (von seinem nationalen Gesundheitsinstitut), die auf einer Analyse von Hunderten von Covid-19-Todesfällen basieren. Von den analysierten Personen waren weniger als 1% frei von ernsthaften chronischen Gesundheitszuständen. Etwa 75% litten an Bluthochdruck, 35% an Diabetes, 33% an Herzischämie, 24% an Vorhofflimmern, 18% an einer niedrigen Nierenfunktion, zusammen mit anderen Erkrankungen, die ich aus dem italienischen Bericht nicht entziffern konnte. Fast die Hälfte der Verstorbenen hatte drei oder mehr dieser ernsten Pathologien. Amerikaner, die von Fettleibigkeit, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten geplagt sind, sind mindestens genauso anfällig wie Italiener. Sollten wir dann dem Virus die Schuld geben (das nur wenige ansonsten gesunde Menschen getötet hat), oder sollten wir die Schuld für den zugrunde liegenden schlechten Gesundheitszustand geben? Auch hier gilt wieder die Analogie des gespannten Seils. Millionen von Menschen in der modernen Welt befinden sich in einem prekären Gesundheitszustand und warten nur darauf, dass etwas, das normalerweise trivial wäre, sie über die Kante schickt. Natürlich wollen wir kurzfristig ihr Leben retten; die Gefahr besteht darin, dass wir uns in einer endlosen Abfolge von kurzen Zeiträumen verlieren, indem wir eine Infektionskrankheit nach der anderen bekämpfen und uns nie mit den Bodenbedingungen befassen, die die Menschen so verletzlich machen. Das ist ein weitaus schwierigeres Problem, denn diese Bodenbedingungen werden sich durch Kämpfe nicht ändern. Es gibt keinen Erreger, der Diabetes oder Fettleibigkeit, Sucht, Depressionen oder PTSD verursacht. Ihre Ursachen sind nicht ein anderer, nicht irgendein Virus, das von uns selbst und von uns selbst getrennt ist, und wir sind seine Opfer.

Selbst bei Krankheiten wie Covid-19, bei denen wir ein pathogenes Virus nennen können, ist die Sache nicht so einfach wie ein Krieg zwischen Virus und Opfer. Es gibt eine Alternative zur Keimtheorie der Krankheit, die Keime als Teil eines größeren Prozesses betrachtet. Wenn die Bedingungen stimmen, vermehren sie sich im Körper, wobei sie manchmal den Wirt töten, aber möglicherweise auch die Bedingungen verbessern, unter denen sie sich anfangs angesammelt haben, z.B. indem sie die angesammelten toxischen Ablagerungen durch Schleimaustritt beseitigen oder (metaphorisch gesprochen) mit Fieber verbrennen. Die manchmal als “Terrain-Theorie” bezeichnete Theorie besagt, dass Keime eher ein Symptom als eine Krankheitsursache sind. Wie ein Mem es erklärt: “Ihr Fisch ist krank. Keimtheorie: isolieren Sie den Fisch. Gelände-Theorie: Reinigen Sie das Becken.”

Eine gewisse Schizophrenie befällt die moderne Gesundheitskultur. Auf der einen Seite gibt es eine aufkeimende Wellness-Bewegung, die sich der alternativen und ganzheitlichen Medizin verschrieben hat. Sie befürwortet Kräuter, Meditation und Yoga, um die Immunität zu stärken. Sie validiert die emotionale und spirituelle Dimension der Gesundheit, wie z.B. die Kraft von Einstellungen und Überzeugungen, um zu erkranken oder zu heilen. All dies scheint unter dem Covid-Tsunami verschwunden zu sein, da die Gesellschaft der alten Orthodoxie verfällt.

Wie die Statistiken, die ich vorhin über Autoimmunität, Fettleibigkeit usw. angeboten habe, zeigen, stehen Amerika und die moderne Welt im Allgemeinen vor einer Gesundheitskrise. Ist die Antwort, das zu tun, was wir getan haben, nur gründlicher? Die bisherige Antwort auf Covid bestand darin, die Orthodoxie zu verdoppeln und unkonventionelle Praktiken und abweichende Standpunkte beiseite zu räumen. Eine andere Antwort wäre, unsere Sichtweise zu erweitern und das gesamte System zu untersuchen, einschließlich der Frage, wer dafür bezahlt, wie der Zugang gewährt wird und wie die Forschung finanziert wird, aber auch die Ausweitung auf Randbereiche wie Kräutermedizin, funktionelle Medizin und Energiemedizin. Vielleicht können wir diese Gelegenheit nutzen, um die vorherrschenden Theorien über Krankheit, Gesundheit und den Körper neu zu bewerten. Ja, schützen wir die erkrankten Fische so gut wir können, aber vielleicht müssen wir beim nächsten Mal nicht so viele Fische isolieren und betäuben, wenn wir das Becken reinigen können.

Ich sage Ihnen nicht, dass Sie sofort losrennen und NAK oder andere Ergänzungsmittel kaufen sollen, noch dass wir als Gesellschaft unsere Reaktion abrupt ändern, die soziale Distanzierung sofort aufgeben und stattdessen mit der Einnahme von Ergänzungsmitteln beginnen sollten. Aber wir können die Pause im Normalen, diese Pause an einem Scheideweg nutzen, um bewusst zu wählen, welchen Weg wir vorwärts gehen wollen: welche Art von Gesundheitssystem, welches Gesundheitsparadigma, welche Art von Gesellschaft. Diese Neubewertung findet bereits statt, da Ideen wie die universelle kostenlose Gesundheitsversorgung in den USA neuen Schwung erhalten. Und dieser Weg führt auch zu Abzweigungen. Welche Art von Gesundheitsversorgung wird universalisiert werden? Wird sie nur für alle verfügbar sein oder für alle obligatorisch – jeder Bürger, ein Patient, vielleicht mit einem unsichtbaren Tintenstrichcode, der bescheinigt, dass er über alle vorgeschriebenen Impfungen und Untersuchungen auf dem Laufenden ist. Dann kann man zur Schule gehen, ein Flugzeug besteigen oder ein Restaurant betreten. Dies ist ein Weg in die Zukunft, der uns zur Verfügung steht.

Auch eine andere Möglichkeit steht jetzt zur Verfügung. Anstatt die Kontrolle zu verdoppeln, könnten wir endlich die ganzheitlichen Paradigmen und Praktiken annehmen, die am Rande darauf gewartet haben, dass sich das Zentrum auflöst, so dass wir sie in unserem bescheidenen Zustand in das Zentrum bringen und ein neues System um sie herum aufbauen können.

 

Die Krönung

Es gibt eine Alternative zu dem Paradies der perfekten Kontrolle, das unsere Zivilisation so lange verfolgt hat, und das so schnell wie unser Fortschritt zurückweicht, wie eine Fata Morgana am Horizont. Ja, wir können wie bisher auf dem Weg zu mehr Isolation, Abschottung, Herrschaft und Trennung voranschreiten. Wir können ein höheres Maß an Trennung und Kontrolle normalisieren, glauben, dass sie notwendig sind, um uns zu schützen, und wir können eine Welt akzeptieren, in der wir Angst haben, einander nahe zu sein. Oder wir können diese Pause, diesen Bruch im Normalen ausnutzen, um uns auf einen Weg der Wiedervereinigung, des Holismus, der Wiederherstellung verloren gegangener Verbindungen, der Reparatur von Gemeinschaft und der Wiedervereinigung des Lebensnetzes zu begeben.

Schützen wir das getrennte Selbst doppelt oder nehmen wir die Einladung in eine Welt an, in der wir alle zusammen sind? Diese Frage stellt sich nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Politik, in der Wirtschaft und in unserem persönlichen Leben. Nehmen Sie zum Beispiel das Thema Horten, das die Idee verkörpert: “Es wird nicht genug für alle geben, also werde ich dafür sorgen, dass es genug für mich gibt. Eine andere Antwort könnte lauten: “Einige haben nicht genug, also werde ich das, was ich habe, mit ihnen teilen. Sollen wir Überlebenskünstler oder Helfer sein? Wozu ist das Leben da?

In größerem Maßstab stellen die Menschen Fragen, die bisher an den Rändern von Aktivisten lauern. Was sollen wir mit den Obdachlosen tun? Was sollen wir mit den Menschen in den Gefängnissen tun? In den Slums der Dritten Welt? Was sollen wir mit den Arbeitslosen tun? Was ist mit all den Hotelangestellten, den Uber-Fahrern, den Klempnern und Hausmeistern und den Busfahrern und Kassierern, die nicht von zu Hause aus arbeiten können? Und so blühen jetzt endlich Ideen wie der Schuldenerlass für Studenten und das universelle Grundeinkommen auf. “Wie schützen wir diejenigen, die für Covid anfällig sind”, lädt uns ein zu “Wie kümmern wir uns allgemein um gefährdete Menschen?

Das ist der Impuls, der sich in uns regt, ungeachtet der Oberflächlichkeit unserer Meinungen über Covids Schwere, seine Herkunft oder die beste Politik zu seiner Bekämpfung. Es heißt, dass wir uns ernsthaft darum bemühen sollten, uns umeinander zu kümmern. Erinnern wir uns daran, wie wertvoll wir alle sind und wie wertvoll das Leben ist. Lasst uns eine Bestandsaufnahme unserer Zivilisation machen, sie bis auf ihre Gestüte auseinandernehmen und sehen, ob wir noch eine schönere bauen können.

Je mehr Covid unser Mitgefühl weckt, desto mehr von uns erkennen, dass wir nicht zu einem normalen Leben zurückkehren wollen, dem es so sehr fehlt. Wir haben jetzt die Gelegenheit, ein neues, mitfühlenderes Normal zu schmieden.

Hoffnungsvolle Zeichen dafür gibt es im Überfluss. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die lange Zeit die Gefangene herzloser Unternehmensinteressen zu sein schien, hat Hunderte von Milliarden Dollar an Direktzahlungen an Familien freigesetzt. Donald Trump, der nicht als Vorbild des Mitgefühls bekannt ist, hat ein Moratorium für Zwangsvollstreckungen und Vertreibungen erlassen. Sicherlich kann man diese beiden Entwicklungen zynisch betrachten, aber sie verkörpern das Prinzip der Fürsorge für die Schwachen.

 

Aus der ganzen Welt hören wir Geschichten von Solidarität und Heilung. Ein Freund beschrieb, wie er je 100 Dollar an zehn Fremde schickte, die in großer Not waren. Mein Sohn, der bis vor einigen Tagen bei Dunkin’ Donuts arbeitete, sagte, die Leute würden fünfmal so viel Trinkgeld geben wie üblich – und das sind Menschen aus der Arbeiterklasse, viele von ihnen hispanische Lastwagenfahrer, die selbst wirtschaftlich unsicher sind. Ärzte, Krankenschwestern und “unverzichtbare Arbeitskräfte” in anderen Berufen riskieren ihr Leben, um der Öffentlichkeit zu dienen. Hier sind einige weitere Beispiele für den Ausbruch von Liebe und Freundlichkeit, die ServiceSpace zu verdanken ist:

 

Vielleicht sind wir gerade dabei, uns in diese neue Geschichte hineinzuleben. Stellen Sie sich vor, die italienische Luftwaffe setzt Pavoratti ein, das spanische Militär leistet Dienst und die Straßenpolizei spielt Gitarren – um *inspirieren* zu können. Unternehmen, die unerwartete Gehaltserhöhungen vornehmen. Kanadier, die mit der “Freundlichkeitsförderung” beginnen. Eine Sechsjährige in Australien schenkt der Zahnfee Geld, eine Achtklässlerin in Japan stellt 612 Masken her, und überall kaufen College-Kinder Lebensmittel für ältere Menschen. Kuba schickt eine Armee in “weißen Roben” (Ärzte), um Italien zu helfen. Ein Vermieter, der den Mietern erlaubt, ohne Miete zu wohnen, ein irisches Priestergedicht, das sich verbreitet, Behindertenaktivisten, die Handdesinfektionsmittel herstellen. Stellen Sie sich vor. Manchmal spiegelt eine Krise unseren tiefsten Impuls wider – dass wir immer mit Mitgefühl reagieren können.

 

Wie Rebecca Solnit in ihrem wunderbaren Buch “Ein in der Hölle gebautes Paradies” beschreibt, befreit die Katastrophe oft die Solidarität. Eine schönere Welt schimmert direkt unter der Oberfläche und taucht auf, wenn die Systeme, die sie unter Wasser halten, ihren Halt verlieren.

Lange Zeit haben wir als Kollektiv einer immer kränkelnden Gesellschaft hilflos gegenübergestanden. Ob es sich nun um den Rückgang der Gesundheit, den Verfall der Infrastruktur, Depressionen, Selbstmord, Sucht, Umweltzerstörung oder die Konzentration von Reichtum handelt, die Symptome des Zivilisationsunwohlseins in der entwickelten Welt sind offensichtlich, aber wir sind in den Systemen und Mustern stecken geblieben, die sie verursachen. Nun hat Covid uns einen Reset geschenkt.

Eine Million sich abzweigende Wege liegen vor uns. Ein universelles Grundeinkommen könnte ein Ende der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Entfaltung der Kreativität bedeuten, da Millionen von der Arbeit befreit werden, die Covid uns gezeigt hat, dass sie weniger notwendig ist, als wir dachten. Oder es könnte mit der Dezimierung von Kleinunternehmen die Abhängigkeit vom Staat für ein Stipendium bedeuten, das an strenge Bedingungen geknüpft ist. Die Krise könnte Totalitarismus oder Solidarität, medizinisches Kriegsrecht oder eine ganzheitliche Renaissance, eine größere Angst vor der mikrobiellen Welt oder eine größere Widerstandsfähigkeit bei der Teilnahme an ihr, dauerhafte Normen der sozialen Distanzierung oder einen erneuten Wunsch, zusammenzukommen, bedeuten.

 

Was kann uns als Individuen und als Gesellschaft leiten, wenn wir den Garten der sich gabelnden Wege durchschreiten? An jeder Kreuzung können wir uns dessen bewusst sein, was wir verfolgen: Angst oder Liebe, Selbsterhaltung oder Großzügigkeit. Sollen wir in Angst leben und eine Gesellschaft aufbauen, die auf dieser Angst basiert? Sollen wir leben, um unser getrenntes Selbst zu bewahren? Sollen wir die Krise als Waffe gegen unsere politischen Feinde einsetzen? Das sind nicht Alles-oder-Nichts-Fragen, nicht alle Angst oder alle Liebe. Vor uns liegt der nächste Schritt in die Liebe. Es fühlt sich gewagt, aber nicht rücksichtslos an. Sie schätzt das Leben, während sie den Tod akzeptiert. Und sie vertraut darauf, dass mit jedem Schritt der nächste sichtbar wird.

 

Bitte glauben Sie nicht, dass die Entscheidung für die Liebe gegenüber der Angst allein durch einen Willensakt erreicht werden kann und dass auch die Angst wie ein Virus besiegt werden kann. Das Virus, mit dem wir es hier zu tun haben, ist die Angst, sei es die Angst vor Covid-19 oder die Angst vor der totalitären Reaktion darauf, und auch dieses Virus hat sein Terrain. Angst, zusammen mit Sucht, Depressionen und einer Vielzahl körperlicher Leiden, gedeiht in einem Terrain der Trennung und des Traumas: ererbtes Trauma, Kindheitstrauma, Gewalt, Krieg, Missbrauch, Vernachlässigung, Scham, Bestrafung, Armut und das gedämpfte, normalisierte Trauma, das fast jeden betrifft, der in einer monetarisierten Wirtschaft lebt, eine moderne Schulbildung durchläuft oder ohne Gemeinschaft oder Verbindung zum Ort lebt. Dieses Terrain kann verändert werden, durch Traumaheilung auf persönlicher Ebene, durch einen systemischen Wandel hin zu einer mitfühlenderen Gesellschaft und durch die Umwandlung der grundlegenden Erzählung der Trennung: das getrennte Selbst in einer Welt des Anderen, das Ich getrennt von dir, die Menschheit getrennt von der Natur. Allein zu sein ist eine Urangst, und die moderne Gesellschaft hat uns immer mehr allein gelassen. Aber die Zeit der Wiedervereinigung ist gekommen. Jeder Akt des Mitgefühls, der Freundlichkeit, des Mutes oder der Großzügigkeit heilt uns von der Geschichte der Trennung, weil er sowohl den Akteuren als auch den Zeugen versichert, dass wir uns gemeinsam darin befinden.

Abschließend möchte ich noch eine weitere Dimension der Beziehung zwischen Menschen und Viren erwähnen. Viren sind integraler Bestandteil der Evolution, nicht nur des Menschen, sondern aller Eukaryoten. Viren können DNA von Organismus zu Organismus übertragen und manchmal in die Keimbahn einführen (wo sie vererbbar wird). Dies ist ein primärer Mechanismus der Evolution, der als horizontaler Gentransfer bekannt ist und es ermöglicht, dass sich das Leben gemeinsam viel schneller entwickelt, als es durch zufällige Mutation möglich ist. Wie Lynn Margulis es einmal formulierte, sind wir unsere Viren.

Und nun möchte ich mich auf spekulatives Gebiet begeben. Vielleicht haben die großen Zivilisationskrankheiten unsere biologische und kulturelle Evolution beschleunigt, indem sie uns wichtige genetische Informationen verliehen und sowohl individuelle als auch kollektive Initiationsmöglichkeiten geboten haben. Könnte die gegenwärtige Pandemie genau das sein? Neue RNA-Codes verbreiten sich von Mensch zu Mensch und versorgen uns mit neuen genetischen Informationen; gleichzeitig erhalten wir andere, esoterische “Codes”, die auf dem Rücken der biologischen Codes reiten und unsere Erzählungen und Systeme auf dieselbe Weise stören, wie eine Krankheit die Körperphysiologie stört. Das Phänomen folgt der Schablone der Initiation: Trennung von der Normalität, gefolgt von einem Dilemma, Zusammenbruch oder einer Tortur, gefolgt (wenn es vollständig sein soll) von Reintegration und Feier.

Nun stellt sich die Frage: Initiation in was? Was ist das spezifische Wesen und der Zweck dieser Initiation? Der volkstümliche Name für die Pandemie gibt einen Hinweis: Coronavirus. Eine Korona ist eine Krone. “Neuartige Coronavirus-Pandemie” bedeutet “eine neue Krönung für alle”.

Schon jetzt können wir die Macht dessen spüren, wer wir werden könnten. Ein wahrer Souverän läuft nicht in Angst vor dem Leben oder vor dem Tod davon. Ein wahrer Souverän beherrscht und erobert nicht (das ist ein Schattenarchetyp, der Tyrann). Der wahre Souverän dient dem Volk, dient dem Leben und respektiert die Souveränität aller Menschen. Die Krönung markiert das Auftauchen des Unbewussten in das Bewusstsein, die Kristallisierung des Chaos in Ordnung, die Transzendenz des Zwangs in die Wahl. Wir werden die Herrscher über das, was uns beherrscht hat. Die neue Weltordnung, die die Verschwörungstheoretiker fürchten, ist ein Schatten der glorreichen Möglichkeit, die souveränen Wesen zur Verfügung steht. Wir sind nicht mehr die Vasallen der Angst, sondern können Ordnung in das Königreich bringen und eine vorsätzliche Gesellschaft auf der Liebe aufbauen, die bereits durch die Risse der Welt der Trennung hindurchstrahlt.

Corona = Strahlenkranz

Mir fliegen stärkende Texte zu. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich meditiere, übe mich in Geistesruhe und Vertrauen.

Ich wünsche uns allen, dass dieser Text von einem Lieblingsnachdenkmenschen dich auch inspiriert und stärkt:

Corona – Strahlenkranz der Pandemie (Claus Eurich) Es liegt eine außerordentliche, eine evolutionäre Chance in dem Geschehen, das die Menschheit überraschte wie ein Dieb in der Nacht. Ohne irgendetwas an persönlichen Schicksalen verharmlosen zu wollen, müssen wir die weltweiten viralen Prozesse in diesen Tagen als einen dramatischen Weckruf der Evolution sehen. Wir erhalten das Angebot zu einem Crashkurs in der überlebensnotwendigen Umkehr und Neuausrichtung. Alles deutet jedoch vorerst darauf hin, dass wenn die Infektionswellen abflachen und schließlich versanden, die Wirtschafts- und Mobilitätsturbinen wieder hochgefahren werden wie bisher. China macht das gerade vor, um den Wachstumseinbruch in Grenzen zu halten. Die Regierung Trump kündigt es unabhängig von der Corona-Entwicklung bereits für die nahe Zukunft an. Und leider ist unserer Politik letztendlich nichts anderes zuzutrauen. Das Krisenmanagement scheint zwar angemessen. Doch zugleich zeigt sich, wie wohl noch nie, diese erbärmliche Visionslosigkeit so erschreckend deutlich. Unendliche Milliarden, die nicht da waren, um ernsthaft dem Klimawandel entgegenzustehen, die Arten zu schützen, den erniedrigten geflüchteten Menschen, etwa auf den griechischen Inseln, zu helfen, werden nun aus dem Hut gezaubert, damit alles so bleibt, wie es ist bzw. wieder so wird, wie es war. Und so wird der Hebel sich umlegen von „Besonnenheit“ und „Zeit zur Reflexion“ hin zum „Volle Kraft voraus“ – Kurs Eisberg. Hören wir Aufrufe zum wahrhaften Innehalten? Zur grundlegenden Reflexion unseres personalen und des kulturellen Selbst? Ablenkung lautet vielmehr die vorherrschende Botschaft. Ratschläge „Wie man online die Langeweile in der Selbstisolation überwinden kann“ verbreiten sich schneller als Covid-19. Medien verändern ihre Angebote, damit Menschen das Geschehen bzw. das Nichtgeschehen „aushalten“ können und keinem „Lagerkoller“ oder einer „persönlichen Krise“ erliegen.

Wir, deine medialen Fürsorger, geben dir eine Ersatzstruktur, wenn die gewohnte Alltagsstruktur für eine gewisse bzw. ungewisse Zeit weggebrochen ist. Tauchen die Menschen vor einer einerseits so erschreckenden und andererseits so großartigen Herausforderung aus Angst oder Ignoranz weg, wird es auch mit ihnen, und nicht nur dem „System“, nach der Krise so weitergehen wie bisher.Gleichwohl mag eine Erinnerung bei den Generationen bleiben, die das Momentum durchlebten. Unbewusst vielleicht, ruht dann ein neuer Vergleichsmaßstab in uns. Wie es war, als Stille durch die Straßen der Städte flanierte, der Himmel rein war, ohne Kondensstreifen der Flieger und Shopping als Sehnsuchtsziel und Zeitgestaltung das Repertoire der alltäglichen Möglichkeiten verlassen hatte. Und dann gibt es da ja noch den anderen Blick. Er wartet nicht lediglich auf das Ende einer lästigen Störung, sondern kommt aus der Frage, was wir von uns selbst erwarten sollten, um den Ernst der Lage, der ja weit über Corona hinausweist, aufrecht und in Würde anzunehmen und zu leben. Danach wäre nun die Zeit vorhanden, in der geschenkten Begrenzung des nach Außen Strömens die Schönheit des Lebens in unmittelbarer Präsenz wahrzunehmen. Das Erspüren dessen, was jenseits des Zeitvertreibs, der bloßen Ablenkung und der besinnungslosen Zerstreuung liegt. Weit öffnet sich dann mit dem Wegfall der äußeren Kontaktwelten der Raum zu unseren  Innenwelten, in denen es viel zu erkunden und zu entdecken gibt. Gewiss, da warten nicht nur Rosenblätter, sondern auch manche Dornen. Aber auch sie brauchen meine Zuwendung auf dem Weg zu mir selbst und den alles entscheidenden Fragen: Wo will ich hin in meinem Leben? Was ist das wahrhaft Bedeutende, was verdient meine ZuWendung? In welche Gesellschaft will ich mich einbringen? Was sind meine Träume, was meine tiefsten Sehnsüchte?

Wie kann ich mich wieder mit dem Strom des Lebens, nicht nur des menschlichen Lebens, verbinden und in solchem Sinne vielleicht wirklich neu Mensch werden? Wenn ich in zehn Jahren zurückblicke auf die erste Jahreshälfte 2020 – was wünsche ich mir dann aus dieser Perspektive an Konsequenzen? Und was bin ich bereit, jetzt dafür loszulassen und an Neuem zu investieren? Dieser historische Moment lädt ein für solche inneren Entdeckungsreisen. Zweifellos sind sie ein Wagnis und zugleich ein spirituelles Abenteuer. Aber billiger ist die neue Welt nicht zu haben. Bestehen wir jedoch dieses Abenteuer, kann aus Corona, dessen Ursprungsbedeutung Strahlenkranz meint, Licht geboren werden. Es durchbricht jede Dunkelheit. Es heilt und heiligt. Menschen, die das verstanden und so voran gingen, nicht selten unter großen persönlichen Opfern, zeichnete man in vergangenen Tagen mit einer Corona, einem Heiligenschein. In ihnen hatte sich durch radikale Umkehr das Licht der Erkenntnis, das Licht der Bescheidenheit und das Licht tätiger Liebe durchgesetzt und ausgebreitet. Die Wirkung ging weit über sie hinaus. Manchmal reicht sie bis in die Gegenwart.   Vielleicht mag auf diesem Weg, dieser Heldenreise, die alte Nomadenweisheit helfen, dass vor dem Brunnen die Wüste liegt. Oder, wie Johannes Don Bosco (1815-1888), Begründer des Salesianerordens, es formulierte:
 „Denke daran, bevor du ins gelobte Land einziehst,
 musst du das rote Meer und die Wüste durchqueren.“
 Und was sagt der überzeitliche Blick, der über die Welt des Werdens und des Vergehens streicht? „Die Folianten vergilben,
 der Städte gelehrter Glanz erbleicht,
 aber das Buch der Natur
 erhält jedes Jahr eine neue Auflage.“ (Hans Christian Andersen)

www.lebenswendezeiten.de

Geistesruhe üben. Globale Meditation

Am nächsten Sonntag werde ich auf jeden Fall daran teilnehmen, um beizutragen, in mir und der ganzen Welt Ruhe und Inneren Frieden zu kultivieren.

Lasst uns zusammenkommen.
Bitte vereinige dich mit anderen besorgten Menschen aus der ganzen Welt in der Tiefe und Stille des gemeinsamen Schweigens. Geteiltes Schweigen ist nicht die Stille der Einsamkeit und Isolation. Sie ist der Boden der lebendigen Verbindung. Diese Situation ist ernst – und was jeder von uns tut, ist wichtig für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Stabilität von uns selbst, unseren Lieben, unseren Gemeinschaften und unserer Welt. Gemeinsam können wir ein Feld der Ruhe und des Friedens schaffen, um Angst, Panik und Trennung zu begegnen und die Erkenntnis zu vertiefen, dass wir immer verbunden sind.

Du wirst gebraucht.
Dein Herz und deine Präsenz werden in diesem Augenblick gebraucht. Es spielt keine Rolle, ob du schon einmal meditiert hast oder nicht, ob du eine Praxis des Gebets hast oder nicht. Alles, was du brauchst, ist deine aufrichtige Sorge. Während dieses Meditations-“Sit-in” (und “Be-in”) wirst du von spirituellen Freunden und Lehrern geleitet, die uns helfen, einfach zu sein, zu atmen und ein ruhiges Feld der Ruhe zu schaffen, aus dem wir vernünftiger und klüger handeln können. Jede Stunde der Veranstaltung wird von einem anderen Führer geleitet. Und in der Mitte und am Ende werden wir zusammen sprechen, um unsere Erfahrungen auszutauschen. Du bist herzlich eingeladen, an jedem Punkt der Meditation teilzunehmen und zu gehen, wann immer du willst. Wir werden uns in einem Online-Zoom-Konferenzraum treffen, wo wir gemeinsam meditieren und beten können.

Die Zeiten sind dringend.
Wir müssen langsamer werden.

 

 

Jetzt. Gerade jetzt.

Jetzt weiß und spüre ich: es ist die Zeit, in der ich etwas verwandeln kann. Ich bin nicht mein Trauma, meine Angst. Ich trete einen Schritt zurück und praktiziere.

Jedes Mal, wenn du deine Angst einlädst, an die Oberfläche zu kommen, jedes Mal, wenn du sie erkennst und sie anlächelst, verliert deine Angst etwas von ihrer Stärke.” Thich Nhat Hanh

Ich war achtsam und habe bewusst Audios und Filme von Menschen gehört, die ich schätze und die mir Kraft geben. Gleichzeitig erlebte ich  weiter Wellen von Angst. Durch den Genekey der gemeinsamen DELTA-Woche und durch eine Freundin bin ich an ganz klassische buddhistische Teachings und Meditation (zurück)gekommen. Ein Video von Eckart Tolle hat mich bestärkt: genau jetzt ist die Präsenz gefragt. 

Und ich möchte etwas weitergeben, was mir am Herzen liegt: Musik, Singen und Verbundenheit. Von Helge Burggrabe, mit dem ich letztes Jahr eine wunderbare Zeit in Chartres verbracht habe, kam folgende Info: 

“Ab sofort lade ich freitags um 19 Uhr zum Singen von HAGIOS-Liedern ein!

Auf YouTube und auf Facebook wird es einen Livestream geben, ich habe das Studio im Nachbarort schon reserviert, wo ich auch die HAGIOS-CDs aufgenommen habe. Dort ist ein schöner Flügel, ich nehme meine Zimbeln mit und dann kann jede und jeder dabei sein, lauschen und mitsingen!

Damit es jetzt am Freitag auch beginnen kann, braucht es noch 100 Menschen, die meinen YouTube-Kanal abonnieren, denn erst ab 1.000 Abonnenten wird mir die Funktion des Livestreams für alle Geräte freigeschaltet.

Bitte meldet Euch hier an:

https://www.youtube.com/user/musicainnova.

www.lebenswendezeiten.de

 
 

 

Was ist wahr?

So viele, sich widersprechende Informationen:  achten wir auf unsere Gedanken und Gefühle: 

Ein pragmatischer Feuerlöscher. Die Rolle der sozialen Isolation besteht darin, zu verhindern, dass andere Menschen das Virus bekommen. Sie können dies aus Angst tun oder aus Mitgefühl. So oder so, es funktioniert.(Das ist aus der Human Design/GenekeysCommunity.)

Wir fahren alle auf Sicht, nur der nächste Schritt ist wichtig. denn erst oft mitten in einem laufenden Prozess kommen die Antworten, wie es weitergehen soll – nicht vorher.

Ich konnte gestern mit meinem Freund G, der im Schwabinger Krankenhaus in der Notaufnahme arbeitet telefonieren. Ich glaube ihm mehr als Anderen und fasse es kurz zusammen: nicht unterschätzen, sich schützen – es ist einfach eine Mutation, so wie sie immer wieder vorkommt und der Körper muss lernen damit umzugehen – das System ist überfordert, wenn zu viele krank werden…..es fehlen eh schon Kräfte, wenn sie positiv getestet sind und sie dann 14 Tage in Quarantäne müssen.

Und dann gibt es noch Dr. Wodarg: