einzeln und frei wie ein Baum, geschwisterlich wie Wald

 

Wir alle tragen eine individuelle Signatur – ob auf der Fingerkuppe, in der Stimme oder durch unseren individuellen Körper insgesamt.  Wir tragen in uns die Sehnsucht und das Potential, uns voll  zu entfalten und zum Ausdruck zu kommen. Wir möchten als wir selbst wirksam sein in unserer Welt, in der Welt.  Gleichzeitig tragen wir alle in uns das existentielle Bedürfnis nach Verbundenheit. Das können die Blutsverwandten, also Familie, Kinder und Enkelkinder sein oder die, die wir Seelenverwandte nennen, Menschen, bei denen wir uns akzeptiert und geliebt fühlen. Beides gleichermaßen zu verwirklichen ist eine immerwährende Aufgabe.

Musik nährt mich. Gemeinsames Singen nährt mich – ich bin wieder in einem Chor und meine Gitarre lehnt  nicht mehr so ganz untätig an der Wand.  Parallel dazu ist mein Ausdrucks- und Lebensmedium inzwischen mehr die Farbe und der Stift geworden – also eher das kreative Tun allein.  Heute aber war wieder ein kreativer Vormittag hier in Gauting mit Rosemarie Zacher und ein paar experimentierwilligen Frauen. Große Lust an dem Spiel mit Aquarellfarben:

 

Gitarre und Hannes Wader ist für mich eine Assoziation. Durch Hannes ist der letzte Vers aus einem der berühmtesten Gedichte Hikmets, Davet (Einladung) besonders bekannt geworden:

Yaşamak bir ağaç gibi
tek ve hür ve bir orman gibi 
kardeşçesine,
bu hasret bizim.

Leben einzeln und frei
wie ein Baum und dabei
brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist unser.

(wörtliche Übersetzung: Leben wie ein Baum, einzeln und frei, und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht. Sinngemäße Übersetzung: „Wir sehnen uns nach einem Leben wie ein Baum, frei stehend in einem Wald der Gemeinsamkeit.“)

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