Wenn die Seele singt: Mein Weg zur Musik

„Wenn einer aus seiner Seele singt, heilt er zugleich seine innere Welt. Wenn alle aus ihrer Seele singen und eins sind in der Musik, heilen sie zugleich auch die äußere Welt.“ – Yehudi Menuhin
In meiner Kindheit wurde viel gesungen. Mein Vater begleitete uns auf der Zither, manchmal spielte auch meine Mutter mit. Es waren Heimatlieder und christliche Weisen, die besonders in der Weihnachtszeit das Haus erfüllten. Heute berührt mich diese Musik tief, doch das war nicht immer so. Lange Zeit spürte ich einen großen Widerstand; es brauchte Jahrzehnte, bis ich den Wert dieser familiären Tradition wirklich wertschätzen konnte.
Viele Jahre lang sang ich „andere“ Musik: die Beatles, Widerstandslieder und Folksongs. Der Wunsch, selbst ein Instrument spielen zu können, war zwar da, aber der Weg dorthin verlief über Umwege. Als ich vor 30 Jahren zum ersten Mal versuchte, Gitarre zu lernen, fehlte mir noch der Mut, dem Lehrer klar zu sagen: „Mir genügt es, wenn ich Akkorde spielen kann.“
Mein zweiter Anlauf mit 60 war erfolgreicher. Heute begleite ich Lieder, Chants und Mantren auf der Gitarre – und dafür bin ich mir selbst sehr dankbar. Diese Fähigkeit bereichert nun auch meine Arbeit: Im Streitschlichter-Kurs in der Schule lockere ich das Lernen durch Lieder und Körperpercussion auf.

Ein ganz anderer Reichtum ist für mich das Singen im Chor. Dort genieße ich es, in der großen Gruppe der Alt-Stimmen unterzutauchen, und bewundere den Mut der drei Männer im Tenor. Seit zwei Jahren leitet Jin, unsere koreanische Chorleiterin, uns mit viel Energie an. Und morgen ist es wieder so weit: Wir fahren zu unserem alljährlichen Chor-Wochenende – unsere gemeinsame Zeit für die Musik und die Gemeinschaft. Eines der Stücke, die wir bei unserem Konzert am 1. März singen werden ergreift mich immer wieder. Heutzutage ist auch das hier zu hören – eine von vielen Möglichkeiten weltweit.